Klimawandel kompakt

Worum geht’s in der Klimadiskussion?

Mit nur kurzer Unterbrechung durch Corona wird der Klimawandel als Krise Nr. 1 wohl bald wieder die Debatte um die Zukunft der Welt dominieren. Aber worüber wird tatsächlich geredet? Was hinter den heftig diskutierten Pro- und Kontra-Argumenten, Fachbegriffen und Szenarien steckt, finden Sie kurz erklärt hier im Anschluss.

Für Menschen, die den Klimawandel als wachsende Bedrohung empfinden, kann die Diskussion nicht intensiv genug geführt werden. Für jene, die lieber abwarten, um zu prüfen ob’s wirklich wehtut, wenn es soweit ist, ist rund um das Thema viel zu viel Hysterie im Spiel. Da kann es schon heftig werden, wenn die Klimakrise es einmal auf den Stammtisch oder ins Online-Forum schafft. Denn letztendlich hängt die Frage nach 1,5 Grad Durchschnittstemperatur mehr oder weniger immer direkt mit unserer Vorstellung von Wohlbefinden zusammen. Darunter verstehen die Klimaschützer*innen eine lebenswerte und krisenfreie Welt, die wir künftigen Generationen hinterlassen. Für die anderen deckt sich Lebensqualität mit entfesselter Wirtschaft und grenzenlosem Konsum heute. Die Klimadiskussion muss daher auch für unterschiedliche Einstellungen zu Verantwortung, Respekt, Verzicht, Veränderung oder Rechten und Pflichten herhalten. Daher ist es gut, wenn alle Menschen dieser Welt ein Grundwissen und eine eigene Meinung zu diesem Thema haben – Betonung auf „eigene“.

Point of General Understanding (PGU)

 [Persönliche Meinung] Ich gebe zu, ich habe diesen „Point of General Understanding“1) gerade selbst erfunden. Er markiert für mich jene Schwelle, an der ich Erkenntnisse, die wissenschaftlich mit überwältigend hoher Wahrscheinlichkeit zutreffen, als allgemeingültig anerkenne. Ich beziehe mich dabei auf eine Methode aus den digitalen „predictive analytics“2). Dabei wird aus einer Fülle an möglichen Szenarien jenes mit der höchsten Eintrittswahrscheinlichkeit ausgewählt und als gesetzt betrachtet. In Fachkreisen umschreibt man das mit „Maximum Likelihood“3). Das gesamte Feld der Künstlichen Intelligenz4) operiert schon heute damit, um trotz bestehender Unsicherheiten Entscheidungen treffen zu können. U.a. werden wir bei Facebook, Google, Tesla, Amazon & Co tagtäglich mit diesem Verfahren konfrontiert. Ich erachte daher diese Methode als treffergenau und gesellschaftlich voll anerkannt.

Im Falle der Klimadiskussion sehe ich den „Point of General Understanding“ als längst erreicht. Zum einen, weil auf der Seite der Wissenschaft die überwältigende(!) Mehrheit der Expert*innen den Klimawandel, seine Folgen und den Beitrag des Menschen dazu bestätigt. Zum anderen, weil wir heute, nach gut 40 Jahren intensiver Forschung, die bislang vorausgesagten negativen Effekte der Klimaveränderungen sehr real am eigenen Leib verspüren. Für mich sind daher folgende Punkte in der Klimadiskussion solange außer Streit gestellt, solange es den Kritiker*innen nicht gelingt, diese derzeit „maximum likely“ Thesen stichhaltig zu widerlegen:

  • Für mich sind der Klimawandel selbst und die vorausgesagten negativen Effekte quer durch alle Lebensbereiche (Krisen, Katastrophen) nach heutigem Wissensstand Realität. Er ist zudem umfassend, öffentlich und verständlich dokumentiert und sollte damit allen Menschen hinlänglich bekannt sein.
  • Ich erachte aus heutiger Sicht den Beitrag des Menschen zum Klimawandel als nachgewiesen. Ich erkenne damit aber auch die Möglichkeit an, den Wandel noch positiv beeinflussen zu können.
  • Ich akzeptiere, dass die Klimakrise nur durch einen gemeinsamen Beitrag ALLER Länder, Unternehmen und Menschen auf dieser Welt bewältigt werden kann. Ich lehne deshalb ausgrenzenden Klima-Aktivismus ebenso als nicht zielführend ab wie das Verunmöglichen und Verschleppen notwendiger Maßnahmen.
  • Die Bewältigung der Klimakrise ist für mich eine gesellschaftliche Hauptaufgabe und verdient ungeteilte Aufmerksamkeit. Dieses Thema soll nicht stellvertretend für andere Motivlagen wie Parteipolitik, Geschäftemacherei, Ausgrenzung und persönliche Ressentiments5) missbraucht werden.

Ich erlaube mir daher ab sofort, aus der Diskussion, ob wir überhaupt auf eine Klimakatastrophe zusteuern, auszusteigen und meine Kräfte im Tun und nicht im Streiten zu bündeln. Menschen, die trotz der umfassenden Dokumentation noch Diskussionsbedarf haben, verweise ich gerne an die Gesamtheit der Wissenschaft. Überzeugen Sie einfach die Mehrheit der Expert*innen, dann überzeugen Sie auch mich. Ich persönlich nutze währenddessen die freiwerdende Zeit und Kraft dazu, den Klimawandel erträglich zu gestalten. Das Schlimmste was passieren kann, sollte ich mit meinen Annahmen falsch liegen, ist eine saubere, lebenswerte Umwelt, die auch ohne meinen Beitrag entstanden wäre. Damit kann ich leben!

1) Point of General Understanding = engl. für Punkt des allgemeingültigen Verständnisses
2) predictive analytics = engl. für voraussagende Analyse | Prognose
3) Künstliche Intelligenz = vereinfacht: digitale Nachbildung menschlicher Entscheidungsprozesse
4) Maximum Likelihood = engl. maximale Wahrscheinlichkeit
5) Ressentiment = franz. für Abneigung, Vorurteil

Fachbegriffe zum Nachlesen

Zu den nachstehenden Schlagworten können Sie per Klick eine kurze Beschreibung aufklappen. Darin versuche ich, neben der Bedeutung der Begriffe, auch auf mögliche Hintergründe, Ursachen und Wirkungen in der Praxis einzugehen. Sollte etwas fehlen bzw. nicht vollständig oder nicht ganz korrekt sein, bitte ich Sie um Ihr Feedback – Herzlichen Dank!

Bedeutung Fußnoten: 1) = Erläuterungen, Verweise, Nachweise zu gekennzeichneten Textpassagen
Bedeutung aao) = auch anderen Orts = Kennzeichnung für Begriffe, die an einer anderen Stelle dieses Beitrags erläutert werden.

read me | lies mich

Liebe Leser*innen,

ich habe folgende Inhalte selbstverständlich sorgfältig recherchiert! Damit möchte ich auf seriöse Weise helfen, Ihr Grundwissen zum Klimawandel zu schärfen. Ich habe mich jedoch ergänzend zur fachlichen Tiefe für einen weniger wissenschaftlichen, „lockeren“ Schreib-Stil entschieden. Damit möchte ich mehr Alltagsbezug herstellen und Sie zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema motivieren. Für alle jene, die mehr den trockenen, wissenschaftlichen Austausch bevorzugen, stehen ohnehin zahlreiche Fach-Blogs und -Portale im Internet zur Verfügung.

Anthropozän | Das Zeitalter des Menschen

Mit dem Begriff Anthropozän wird (noch inoffiziell) die erdgeschichtlich aktuelle Epoche1) umschreiben, in der der Mensch zum bestimmenden geologischen, biologischen und atmosphärischen Einflussfaktor geworden ist. Dazu zählen die Veränderungen der Erdoberfläche durch Abholzung, Ackerbau und die Versiegelung von Böden2) ebenso wie radikale Eingriffe in die biologische Vielfalt der Tier- und Pflanzenwelt. Vor allem der Klimawandelaao) und weitere Umweltbelastungen wirken dabei besonders schädlich. In klimatischer Hinsicht trägt der Mensch durch die übermäßige Abgabe von Treibhausgasenaao) zu einer Beschleunigung der Erderwärmungaao) bei. Daraus resultiert der Treibhauseffektaao). Natürlich schwankt die Konzentration von Treibhausgasen in der Luft auch ohne Zutun des Menschen. Die Natur produziert jedoch nicht nur Treibhausgase, sie ist auch in der Lage, dieses wieder aus der Luft zu filtern und zu speichern. Schwankungen in der CO2-Bilanz haben auch in der Vergangenheit Klima-Veränderungen (z.B. Eiszeiten) verursacht. Lediglich liefen derartige Prozesse ohne menschlichen Einfluss um ein Vieles langsamer ab, als wir es heute erleben. Das Zünglein an der Waage ist aktuell der Mensch. Wir pumpen mehr Treibhausgase zusätzlich in die Luft, als die Natur noch managen kann. Damit haben wir eine Entwicklung, die ursprünglich mehrere 10.000 Jahre dauern würde, auf 2 Jahrhunderte Industrie-Zeitalter geschrumpft.

1) Epoche = großer geschichtlicher Abschnitt
2) Versiegelung von Boden durch den Bau von Städten bzw. Industrie– und Verkehrsflächen

Atmosphäre

Die Atmosphäre ist die Lufthülle, die die Erde umgibt. Die innerste Schicht dieses Luftmantels ist heißt Troposphäre und ist gerade einmal zwischen 8 und 18 km dick. Nur dort ist auf der Erde menschliches Leben möglich. Sie besteht zu rund 78% aus Stickstoff, 21% aus Sauerstoff und aus Edelgasen. Zudem sind auch Treibhausgase(aao) in der Atmosphäre enthalten. Vorrangige Aufgabe der Atmosphäre ist es, die schädliche UV-Strahlung aus dem Sonnenlicht zu filtern und so grundsätzlich Leben auf der Erde zu ermöglichen. Zudem liefert die Troposphäre viele Elemente, die von den Organismen (z.B. als Atemluft) benötigt werden. Sie ist aber auch die Heimat unseres Wetters, das mit Luftbewegungen, Wolkenbildung und Niederschlägen unser Leben maßgeblich beeinflusst. Durch den Klimawandel und dem daraus resultierenden Treibhauseffekt(aao) werden künftig wichtige Abläufe in den untersten Schichten der Erdatmosphäre empfindlich gestört. Das wiederum wirkt sich negativ auf die Lebensbedingungen weltweit aus.

Bäume als Klima-Wunder

Dem weltweiten Waldbestand fällt für die Sicherung unseres Klimas in mehrfacher Hinsicht eine bedeutende Rolle zu:

  • So sind in den Bäumen (und auch anderen Pflanzen) seit jeher Unmengen an CO2 gespeichert. Dieses wird im Falle einer Abholzung ohne konservierende Verwertung (z.B. als Bauholz) wieder an die Atmosphäre abgegeben. In Brasilien durch Abholzung oder in Russland durch Waldbrände geschieht das gerade in großem Stil.
  • Bäume filtern im Rahmen der Photosynthese CO2 aus der Luft, wandeln es in Stärke für das eigene Wachstum um und geben überflüssigen Sauerstoff wieder an die Atmosphäre zurück. Sie sind daher so etwas wie eine Luft-Reinigungsmaschine. Je größer der Baum, desto leistungsfähiger. Daher hilft Aufforsten zwar langfristig, akute Hilfe bieten aber nur ältere Baumbestände.
  • Bäume und Grünpflanzen beeinflussen auch lokal das Klima entscheidend. So kann z.B. in Städten durch Begrünung von Parks, Straßenzügen und Hausfassanden durch den Schatten und den Wasserhaushalt der Pflanzen (Verdunstung) die Temperatur spürbar gesenkt werden.

Es ist daher logisch, dass weltweitem Wald-Management durch nachhaltige Bewirtschaftung, verringerte (Brand-) Rodung und rasche Wiederaufforstung besonderes Augenmerk gewidmet wird.

CO2-Bepreisung | Emissionshandel

(Um im Kampf gegen den Klimawandel erfolgreich zu sein, ist es notwendig, dass alle Länder, Unternehmen und Menschen an einem Strang ziehen. Dabei setzt die Politik einerseits auf Verbote und andererseits auf regulierende Maßnahmen. Eine dieser Maßnahmen ist es, den Preis für klimaschädliche Produkte und Leistungen hoch zu halten, hingegen für klimafreundliche Angebote zu verringern. Die zentrale Frage ist dabei, wie man in unserer, sehr preis-sensiblen Gesellschaft, positive Lenkungseffekte erzielen kann. Und zwar, ohne neue Steuern zu erfinden oder die Menschen auf anderem Wege zur Kasse zu bitten.

Ein Ansatz ist eine direkte Abgabe auf Produkte mit negativem Kohlendioxid-(=CO2)-Fußabdruck(aao). Hier sollen anstatt der Mehrwertsteuer, oder Teilen davon, Produkte mit schlechter CO2-Bilanz(aao) höher besteuert werden als jene ohne. Einberechnet werden dabei z.B. die Produktion der Waren oder die Transportwege. Das führt z.B. dazu, dass hochwertige Lebensmittel aus der Region endlich günstiger angeboten werden können als vergleichbare Lebensmittel aus fernen Ländern.

Ein weiterer Ansatz verlagert die Bepreisung von CO2-Emissionen(aao) auf die Ebene der Industrie bzw. des Flugverkehrs. Unternehmen dieser Branchen erwerben jährlich Zertifikate, die ein gewisses Volumen an Schadstoff-Ausstößen erlaubt. Wird die Gesamtmenge an Schadstoffen überschritten, sind Strafzahlungen fällig. Wird sie nicht erreicht, können Zertifikate an andere Unternehmen weiterverkauft werden. Um nicht nur Geld einzunehmen, sondern auch die Entwicklung klimafreundlicher Technologien zu erzwingen, wird regelmäßig die Anzahl der ausgegebenen Zertifikate verringert bzw. deren Preis erhöht. Der Emissionshandel ist weltweit schon im Einsatz, wenn auch mit unterschiedlichem Erfolg. Zum einen fehlt (noch) ein angemessener und kontinuierlich steigender Mindestpreis für eine Tonne CO2. Dieser würde trotz (hoffentlich) schwindender Zertifikat-Nachfrage (im Erfolgsfall) den Entwicklungsschub für klimafreundliche Technologien aufrechterhalten. Zum anderen fehlt es an positiven Anreizen für die Industrie, die Zertifikatskosten nicht wie üblich auf die Verbraucher*innen abzuwälzen.

CO2-Speicherung

Ein Ansatz zur Verringerung des CO2-Anteils in der Atmosphäre ist das Treibhausgasaao) bei seiner Freisetzung oder direkt aus der Atmosphäre zu filtern und zu speichern. Anders als bei Atommüll, wäre CO2 weder explosiv noch radioaktiv und könnte direkt in der Natur eingelagert werden. Da dabei eine enorme Menge an CO2 gelagert werden müsste, testen Forscher*innen weltweit (allen voran in Norwegen) die Möglichkeit, ausgebeutete Erdöl- und Erdgas-Lagerstätten mit CO2 zu befüllen und zu versiegeln. Derartige Lagerstätten hätten ja bereits über Jahrmillionen bewiesen, entsprechend abgedichtet und stabil zu sein. Zudem gab es in Deutschland bereits Tests, in aufgelassenen Bergwerken CO2 einzulagern. Zwar sind noch eine ganze Menge an technischen Fragen zu beantworten (z.B. die Versiegelung tatsächlich aller Bohrlöcher in Öl-Lagerstätten etc.). Da jedoch geschätzt wird, dass weltweit Kapazitäten für rund 1.000 Jahre überzähliges CO2 vorhanden sind, lohnt es sich, auch diesen Weg weiter zu verfolgen.

Sehr einfach, schon in Einsatz und für die Natur besonders verträglich ist das (Wieder-)Aufforsten von gerodeten, verbrannten und versiegelten Wald- und Bodenflächen. Da die Pflanzenwelt für die Photosyntheseaao) CO2 aus der Atmosphäre filtert, hilft jeder Baum, der weiterwachsen darf bzw. neu gepflanzt wird, bei der Lösung der Klimakrise. Dazu bedarf es jedoch eines raschen Starts und einer konsequenten Umsetzung aller notwendigen Maßnahmen. Diese sind:

  • der Stopp der Abholzung von tropischen Regenwäldern,
  • der effiziente Schutz subpolarer und australischer Wälder (z.B. vor Bränden) und
  • das Setzen und Hochziehen von Aber-Milliarden von Bäumen weltweit
Eis-Schmelze

Einer der offensichtlichsten Effekte der Erderwärmung ist das Abschmelzen der Polkappen1) und der großen Gletscher in Grönland bzw. den Gebirgen. Dadurch wird eine regelrechte Kette an für uns Menschen negativen Einflüssen auf das Klima und die Umwelt ausgelöst. Dabei verringert sich die helle Eis-Fläche, über die die Sonnenstrahlung reflektiert wird, rapide. Die wachsenden dunklen Flächen hingegen speichern die Wärme und geben diese an die Umgebung ab. Das wiederum beschleunigt die Erderwärmung.

Laufenden Messungen zufolge führt das vom Polar-/Grönland-Eis abschmelzende Wasser zu einem (schnelleren) Anstieg der Meeresspiegel. Der heute prognostizierte 30-100 cm höhere Meeresspiegel, bis ins Jahr 2100 klingt wenig, hat es jedoch in sich. Beträchtliche Küstenregionen inklusive Teile einiger Mega-Städte werden unbewohnbar. Der Grundwasserspiegel in küstennahen Gebieten wird versalzen, wodurch riesige Anbaugebiete verloren gehen. Zudem gibt die vergrößerte Wasserfläche mehr Feuchtigkeit an die Luft ab, wodurch mehr und stärkere Unwetter entstehen als bisher. Mit dem von den Gletschern abschmelzenden Eis verlieren die Bewohner alpiner Regionen mittelfristig ein wichtiges Trinkwasser-Reservoir. Heute geben Gletscher noch Wasser ab, wenn es heiß ist und kein Regen fällt. Ohne Gletscher werden Dürreperioden auch in Mitteleuropa zum Klima-Standard. Woher die Wissenschaft das alles weiß? Dieser Wandel läuft bereits und wir sehen live dabei zu.

1) Polkappen: Eisschichten rund um den Nord- bzw. den Südpol

Energie | fossil vs. erneuerbar

Wir Menschen brauchen mehr denn je mechanische und elektrische Energie zur Aufrechterhaltung unserer Zivilisation. Gewonnen wird diese Energie überwiegend noch aus fossilen Brennstoffen1), die in (kalorischen) Kraftwerken in elektrische Energie bzw. in (z.B. Auto-)Motoren und Generatoren in Bewegungsenergie umgewandelt werden. Diese Verfahren setzen durch Verbrennung das gespeicherte CO2 frei und geben dieses als Treibhausgas (siehe unten) in die Atmosphäre ab. Um diesen klimaschädlichen Effekt zu neutralisieren, müsste das freigesetzte CO2 aus den Abgasen gefiltert und eingelagert werden. Das wiederum gelingt nur unzureichend.

Daher ist die Verwendung alternativer, möglichst erneuerbarer Energieformen gefragt. Einerseits sollte diese Energie unbegrenzt in der Natur verfügbar sein. Andererseits dürfen keine Treibhausgase bei deren Gewinnung freigesetzt werden. An dieser Stelle wird oft Atomenergie als sauber und leistungsstark ins Spiel gebracht. Leider aber sind viele Fragen zu den bekannt drastischen Folgen im Katastrophenfall und zur Endlagerung des Atommülls nicht geklärt. Auch der Einsatz von Wasserstoff als emissionsfreier Ersatz von Benzin oder Diesel in Verbrennungsmotoren wird aktuell diskutiert. Angesichts des enormen Bedarfs an elektrischer Energie bei seiner Transformation zum Treibstoff erscheint ein flächendeckender Einsatz jedoch unlogisch. Bleiben noch jene Energieformen, die aus dem Sonnenlicht, dem Wind und der Wasserkraft gewonnen werden. Sie sind tatsächlich unbegrenzt vorhanden, emissionsfrei nutzbar. Vor allem aber hat die Menschheit die Ausbeutung dieser Energieformen bereits technisch gelöst. Ein Umschwenken des Marktes auf erneuerbare Energien erfolgt jedoch nicht in dem Tempo, das der fortschreitende Klimawandel(aao) fordert.

Und zwar aus drei Gründen. Erstens kann für die Nutzung erneuerbarer Energien oft die gewohnte Technik nicht mehr eingesetzt und müsste in großem Stil durch neue Systeme ersetzt werden (z.B. Elektromotoren). Das ist nicht im Interesse vieler Unternehmen und Anwender*innen. Zweitens sind die Gewinnung und der Handel mit fossilen Brennstoffen zu einem gigantischen Wirtschaftsfaktor mutiert, dem ganze Regionen dieser Erde Geltung und Wohlstand verdanken (z.B. Mittlerer Osten). Eine Abkehr von diesen Energieträgern würde das Macht-Gefüge weltweit stark verschieben. Drittens erfolgt die Akzeptanz neuer Energie-Formate durch die Konsument*innen nur schleppend. So herrscht noch Skepsis gegenüber Windrädern und Photovoltaik-Anlagen2) oder kommt die Nachfrage nach elektro-getriebenen PKWs nicht wirklich in die Gänge.

1) Fossile Brennstoffe = Erdöl, Erdgas und Kohle = Energieträger, die in geologischer Vorzeit aus den Abbauprodukten von toten Tieren und Pflanzen entstanden sind.
2) Photovoltaik (PV) = Verfahren zur Umwandlung von Sonnenenergie in elektrische Energie | z.B. durch PV-Anlagen auf Hausdächern

Enkeltauglich

Mit diesem Schlagwort wird Bezug darauf genommen, dass der Umwelt- und Klimaschutz ein Generationenprojekt ist. Maßnahmen, die wir heute setzen (oder nicht setzen), wirken sich vorrangig auf die Lebensbedingungen der Nachfolge-Generationen aus und nicht immer schon auf die heutigen. Seien wir uns daher bewusst, dass wir durch unser Tun bzw. Unterlassen direkt Einfluss auf die Umwelt unserer Enkel und Urenkel nehmen – ob wir wollen oder nicht. Viele Politiker*innen (aus verschiedenen Parteien!) beteuern gerne, dass unsere Generation die erste ist, die den Klimawandel voll zu spüren bekommen wird, jedoch auch die letzte, die entscheidend etwas dagegen tun kann. Wir haben es also in der Hand, wie unsere Enkelkinder leben, was sie essen, trinken und atmen und ob ihre Welt noch ein Ort des Friedens und der Koexistenz1) sein wird. Dabei muss ich immer wieder bei dem Gedanken schmunzeln, dass wohl all jene, die sich heute für das Klima einsetzen für ALLE zukünftigen Enkerl dieser Welt zu den Held*innen zählen werden und (naja) all jene, die noch zögern, eben nicht, auch wenn es die eigenen Großeltern sind.

1) Koexistenz = nebeneinander existieren, leben

Erderwärmung und ihre Folgen

Eine ungebremste Erwärmung der Erdoberfläche und der erdnahen Luftschichten wird seitens der Klimaforschung als einer der entscheidenden Faktoren für ein Überschreiten von Kipppunktenaao) genannt. Aktuell halten wir bei einer mittleren Jahrestemperatur (weltweit) von rund 15 Grad. Die steigende Konzentration von Treibhausgasenaao) sorgt jedoch dafür, dass dieser Mittelwert ständig steigt. Das geschieht oft regional unterschiedlich stark, erzeugt jedoch über alle Regionsgrenzenaao) hinweg eine Wirkung. Aktuell hat sich die Wissenschaft ein globales Limit von maximal plus 1,5 Grad zum Zielaao) gesetzt. Damit hofft man, die Folgen der Erderwärmung einigermaßen abschwächen zu können. Aber was geschieht jetzt mit uns, wenn sich die Erde erwärmt?

Die Klimakrise stark zusammengefasst: Es verschieben sich mit steigender Temperatur die Klimazonen dieser Erde. Das Eis an den Polen schmilzt, die Vegetationszonen wandern weiter nach Norden bzw. Süden und die Wüsten-/Dürre-Regionen weltweit breiten sich aus. Das schmelzende Eis erhöht den Meeresspiegel, verunreinigt das Grundwasser fruchtbarer Küstenregionen und verdrängt die Bewohner aus vielen Mega-Cities und Küstenstreifen. Die Lebensräume auf dieser Erde werden weniger. Das heißt, viele Millionen Menschen sind auf der Suche nach einer neuen Heimat, was wiederum zu weltweiten Konflikten führt. Durch die größere Wasseroberfläche der Meere und höhere Temperaturen wird auch das Wetter unberechenbarer. Vor allem finden Wetter-Extreme wie Dürren, Hurricans und Niederschläge häufiger statt und fallen intensiver aus als bisher. Das führt neben den Zerstörungen auch zu Engpässen in der Wasser- und Lebensmittelversorgung. Auch die Lebensbedingungen für uns Menschen werden weltweit ungemütlicher. Neben der Hitze und Versorgungskrisen, wirken sich auch kriegerische Handlungen, das Aussterben vieler (nützlicher) Tier- und Pflanzenarten und neue Krankheitserreger negativ auf unsere Lebenserwartung aus. Dass dadurch die weltweite Wirtschaft eingeschränkt, weniger planbar und anfälliger für Krisen wird, ist eine logische Konsequenz. Dieses Klimaszenario ist übrigens kein Drehbuch für einen Endzeitfilm, der irgendwann irgendwo auf dieser Welt spielt. Es ist real und bereits heute im Ansatz spürbar. Egal ob in Österreich oder in Zentralafrika, es wird nicht reichen, ein dickes Bankkonto, einen vollen Kühlschrank, eine Klimaanlage und einen hohen Zaun zur Außenwelt zu besitzen. Wenn wir die Erderwärmung nicht in den Griff bekommen, wird es für alle ungemütlich.

Fridays 4 Future | Greta Thunberg

Die weltweit aktive Klimaschutz-Bewegung Fridays For Future1) geht auf die (damals) 15-jährige schwedische Klimaschutz-Aktivistin Greta Thunberg zurück, die am 20.8.2018 erstmals, statt die Schule zu besuchen, vor dem schwedischen Reichstag gegen die Klimaerwärmung demonstrierte. Der anfangs tägliche „Schulstreik für das Klima“ (schwedisch „skolstrejk för klimatet“) sollte ab 9.9.2018 jeweils freitags solange fortgesetzt werden, bis die Klimapolitik Schwedens die Beschlüsse des Pariser Klimaabkommensaao) umsetzt. Diese Aktion der „#FridaysForFuture“ erzeugte rasch internationales Aufsehen und fand Unterstützer*innen bzw. Teilnehmer*innen in vielen Ländern der Erde. Als Fridays For Future-Bewegung organisieren seitdem Gruppen weltweit Aktionen und Events2) für ein Umdenken in der Klimapolitik. Unter anderem haben bei weltweiten Schwerpunkttagen mehrere Millionen Menschen für effizienteren Klimaschutz demonstriert. Das führt dazu, dass neben der Aufmerksamkeit in der medialen Öffentlichkeit auch gesellschaftlicher Druck auf die Politik und Wirtschaft aufgebaut werden konnte. Damit wurde u.a. erreicht, dass das Europäische Parlament 2019 den Klimanotstandaao) ausgerufen hat. Bemerkenswert ist dabei, dass sich die (vorwiegend jungen) Aktivist*innen nur auf gesicherte Erkenntnisse und Forderungen der Klimaforschung beziehen und versuchen, ebendiesen mehr Nachdruck zu verleihen. Mit dieser Bewegung junger Menschen haben sich mehrere Gruppierungen verschiedener Berufs- und Altersgruppen solidarisch erklärt. U.a. als Scientists For Future, Parents For Future3) u.v.m.

Fridays For Future ist selbstverständlich auch in Österreich aktiv und agiert nach folgenden 7 Grundsätzen (Zitat):

  • Wir sind eine von der Jugend ausgehende Bewegung, die alle Menschen anspricht und zusammenbringt.
  • Unser Ziel ist die Einhaltung des 1,5°C-Ziels des Pariser Klimaabkommens und globale Klimagerechtigkeit. Wir kommunizieren unsere Ziele auf positive Art und Weise.
  • Wir verstehen uns als selbstorganisiert und parteiunabhängig. Alle Menschen, die mit unseren Zielen und Forderungen übereinstimmen, haben in unserer Bewegung Platz.
  • Lokal geben wir uns die Form, die jeweils den örtlichen Gegebenheiten entspricht.
  • Wichtig ist uns, dass wir auf allen Ebenen (lokal – national), in demokratischen, grundsätzlich transparenten und offenen Strukturen arbeiten.
  • Wir lassen uns nicht von Organisationen und Parteien vereinnahmen.
  • Wir sind eine gewaltfreie Bewegung, kooperieren mit der Polizei und leisten keinen Widerstand gegen diese.

Mehr dazu unter: https://fridaysforfuture.at/

1) Fridays For Future = engl. Freitage für die Zukunft | mehr dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Fridays_for_Future
2) Von lokalen Klimastreiks über Lobbying-Auftritte bei Politik und Wirtschaft bis hin zu Weltklima-Tagen

3) scientists = engl. Wissenschaftler, parents = engl. Eltern, …

Geo-Engineering

Dahinter verbirgt sich ein Sammelbegriff für großräumige und vom Menschen geplante Eingriffe in (bio-)geochemischen Kreisläufe der Erde mit dem Ziel, das Klimasystem zu verändern1). Konkret suchen Wissenschaftler*innen nach großflächigen Möglichkeiten, die Abstrahlung von Sonnenlicht zu erhöhen und den Treibhausgas-Gehalt(aao) in der Atomsphäre zu verringern. Dazu müsste z.B. das Sonnenlicht durch die Ausbringung von Aerosolen2) schon in der Atmosphäre reflektiert werden, bevor es den Boden aufheizt. Oder es wird beispielsweise mittels biochemischer Verfahren die CO2-Speicherkapazität in der Natur erhöht (z.B. durch spezielle Düngung). Angesichts der weltweit zu erzielenden Wirkung und der ungeheuren zusätzlichen Menge an CO2, die gefiltert und gespeichert werden müsste, sprechen wir von Eingriffen in die Natur, die in dieser Dimension nie zuvor gewollt durchgeführt wurden. Daher ist sich die Wissenschaft auch nicht sicher, wie sich die Ausbringung von chemischen Stoffen in dieser Dimension in die Natur, auf die Menschen bzw. die Tier- und Pflanzenwelt auswirken wird. Zudem sind mit Geo-Engineering-Methoden nur selten schnelle Erfolge und damit auch rasch Erfahrungswerte zu erzielen. Auch wenn hier sehr seriös nach Methoden geforscht wird, einer Klimakatastrophe in großem Stil begegnen zu können, bleibt ein mulmiges Gefühl im Bauch. Immerhin muten die diskutierten Lösungen doch eher so an, als wollten wir „Gottes Werk korrigieren“, ohne zu wissen, was letztendlich dabei herauskommt.

1) siehe Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Geoengineering
2) Aerosole = feine Tröpfchen | hier Chemikalien in der Luft, die verstärkt Sonnenlicht reflektieren

grenzenlos | unumkehrbar

Im Gegensatz zu einigen Krisen, die wir die letzten Jahre zu überstehen hatten, kennt der Klimawandel keine nationalen Grenzen. Das Klima(aao) allgemein ist das langfristige Resultat vielfältiger Einflüsse in der und auf die Atmosphäre (siehe oben) quer über den Erdball hinweg. Dabei hängen Klimaentwicklungen weltweit in einer unendlichen Reihe an Kettenreaktionen direkt zusammen (siehe Kippelemente). Es greift daher nicht weit genug, national etwas gegen die Klimakrise unternehmen zu wollen, hingegen bei internationalen Kooperationen zu bremsen.

Hinzu kommt noch, dass der Klimawandel, den wir bisher erlebt haben, nicht mehr zurückgenommen werden kann. Die Senkung des Treibhausgas-Anteils(aao) in der Atmosphäre nimmt nämlich weit mehr Zeit in Anspruch als das Emitieren1). So wird jenes CO2 das wir heute in die Lufthülle der Erde pumpen, erst in rund 100 Jahren wieder abgebaut werden. Das heißt, dass wir auch bei engagiertestem Klimaschutz heute eine weitere Verschlechterung der Lebensbedingungen auf unserer Erde akzeptieren müssen, bis diese Maßnahmen greifen. Wir bestimmen heute lediglich, wie herausfordernd die aufkommende Krise letztendlich werden wird.

1) Emission = hier Ausstoß, Abgabe von CO2 in die Atmosphäre

Kippelemente | Kipppunkte

Unter Kipppunkten1) versteht die Klimaforschung Einflüsse auf sensible Bereiche im Klimasystem (= Kipp-Elemente), die bei Überschreiten von Grenzwerten massive Veränderungen nach sie ziehen. Diese sind zum Teil unumkehrbar. Als besonders betroffene Kipp-Elemente wurden u.a. das Abschmelzen von Eismassen(aao) und das Auftauen von Permafrostböden (siehe unten), Veränderungen im asiatischen und afrikanischen Monsun-System bzw. der El Niño Meeresströmung, die Abholzung tropischer bzw. nördlicher Waldflächen, der allgemeine Rückgang der Speicherfähigkeit von Treibhausgasen in der Biosphäre u.v.m. erkannt. Sollten eine oder mehrere der genannten Entwicklungen aus dem Ruder laufen, also „kippen“, wird eine ganze Kettenreaktion von weiteren Klima-Veränderungen ausgelöst. Als eine zentrale Ursache für das Kippen von bislang stabilen Klima-Zuständen wurde die Erderwärmung(aao) identifiziert. Sollte die jährliche Durchschnittstemperatur der Erde zu schnell und zu hoch steigen, wird ein Dominoeffekt an negativen Klima-Veränderungen in Gang gesetzt, der nicht mehr zu stoppen sein wird. Aktuell geht die Wissenschaft davon aus, dass mit einer Limitierung des Temperaturanstieges weltweit um maximal 1,5 Grad(aao) im Jahresdurchschnitt viele (jedoch nicht alle) Entwicklungen eingebremst werden können.

1) Kipppunkte = engl. tipping points | dazu und zu weiteren Fachbegriffen in diesem Beitrag siehe Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kippelemente_im_Erdklimasystem

Klima

Rein wissenschaftlich betrachtet ist Klima ein Begriff für einen langfristigen Zustand der (erdnahen) Atmosphäre. Er wird mittels durchschnittlicher Wetterdaten1) und deren messbaren Auswirkungen über einen langen Zeitraum beschrieben. Einfluss auf das Klima haben neben der Sonnenein- und -abstrahlung auch geographische Ausprägungen, globale Meeres- und Luftströmungen, die Vegetation, die Jahreszeiten u.v.m. Das Klima kann regional z.B. in Zonen (z.B. Tropen, Polarzonen etc.) oder nach lokalen2) Gesichtspunkten (z.B. alpin, mediterran, etc.) unterschieden werden. Aber auch global betrachtet lassen sich das Klima und etwaige Veränderungen beschreiben. So wird das seit Jahrzehnten kontinuierliche Ansteigen der weltweiten Durchschnittstemperatur, wie wir es aktuell erleben, als Indiz für einen Klimawandel interpretiert. Das tägliche Wetter, wie z.B. Regen, Hitze, Wind etc., ist hingegen eine Momentaufnahme. Über einen langen Zeitraum beobachtete und regelmäßig wiederkehrende Wetterphänomene (z.B. der Monsun, Dürreperioden, etc.) sind meist Folgen klimatischer Gegebenheiten.

1) Wetterdaten = Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Niederschlag, Luftdruck etc.

Klimaschutzabkommen | Rio, Kyoto, Paris & Co

Als Reaktion auf den Nachweis des Klimawandels und der schädlichen Rolle des Menschen dabei, hat die internationale Staatengemeinschaft begonnen, Visionen zur Rettung des Planeten zu entwerfen. Dazu wurden in einer Reihe von Klimagipfeln verbindliche Ziele und Regeln für den Kampf gegen den Klimawandel vereinbart. Die bekanntesten Vereinbarungen zum Klimaschutz sind jene von Rio de Janeiro, Kyoto und Paris.

Schon 1992 einigte man sich im Rahmen der UNO-Klimarahmenkonvention in Rio de Janeiro auf das völkerrechtlich verbindliche Ziel, den schädlichen Einfluss des Menschen auf das Klima zu unterbinden. Das ist ein sehr mächtiges internationales Übereinkommen. Es verpflichteten sich die Nationen dieser Welt erstmals dazu, Klimaschutz zu forcieren, auch wenn wissenschaftlich noch nicht alle Fragen geklärt sind.

Beim Weltklimagipfel in Kyoto1) 1997 wurden von vielen Staaten erstmals konkrete Ziele zur Reduktion der Emission von Treibhausgasenaao) verbindlich vereinbart. (Leider) nicht ratifiziert2) haben dieses Übereinkommen u.a. die USA. Dabei sollte für den Zeitraum zwischen 2008 und 2012 der Ausstoß von Treibhausgasen gegenüber 1990 trotz steigender Industrialisierung um 5,2% gesenkt werden. Dieser erste Schritt wurde von fast allen Industriestaaten, wenn auch teilweise nur mit Sonderregelungen, wie z.B. dem Handel mit Emissionszertifikatenaao), erreicht.

Im Dezember 2015 wurde beim Klimagipfel in Paris3) ein mittelfristiges Ziel zur Reduktion des Anstieges der globalen Durchschnittstemperatur beschlossen. Dabei haben sich 196 Staaten (plus die EU) darauf verständigt, das Plus auf möglichst nur 1,5 Gradaao) über dem Niveau des vorindustriellen Zeitalters zu begrenzen. Dieses verschärfte Ziel wurde notwendig, da alle bisherigen Strategien zu einer Erwärmung um 2,7 Grad und damit weit jenseits kritischer Grenzen geführt hätte. Zudem sollen die Menschen, Regionen und die Wirtschaft besser auf die trotzdem eintretenden Folgen des Klimawandels vorbereitet werden. Und es wurde vereinbart, dass die internationalen Finanzströme und Förderungen verstärkt auf die Bedarfe des Klimaschutzes ausgerichtet werden. In Kraft tritt diese Vereinbarung übrigens mit heuer (2020)!

Angesichts der konkreten Vorgaben, auf die sich die internationale Gemeinschaft in puncto Klimaschutz 2015 geeinigt hatte, beginnen einige Staaten jetzt zu kneifen. So haben die USA angekündigt mit Herbst 2020 aus dem Pariser Abkommen auszusteigen und auch andere Länder sehen sich plötzlich nicht mehr in der Lage, ihre Ziele zu erreichen. Das liegt weniger daran, dass die Aufgaben nicht zu bewältigen wären. Vielmehr braucht die Lösung großer Probleme oft auch große Anstrengungen. Jedoch diese anzupacken, übersteigt die Motivation so mancher Regierungen.

1) siehe Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kyoto-Protokoll
2) ratifizieren = völkerrechtliche Vereinbarungen in nationales Recht übernehmen

3) siehe Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Übereinkommen_von_Paris

Klimaneutral | Klimabilanz

Klimaneutralität bezieht sich auf Prozesse, bei denen keine Treibhausgaseaao) ausgestoßen werden oder diese wieder vollständig abgebaut werden können. Das beginnt bei lokalen Projekten, bei denen z.B. auf fossile Energieträger verzichtet wird, und mündet in einem globalen Konzept zur Vermeidung und Kompensation1) klimaschädlicher Emissionenaao). So kann z.B. ein Haushalt, ein Produkt (z.B. ein Auto), ein Urlaub, die Mobilität allgemein, die Landwirtschaft, ganze Nationen oder Industriezweige Klimaneutralität zum Ziel haben.

Die Klimabilanz dient dazu, messbare Treibhausgas-Emissionen den nachweisbaren reinigenden Effekten gegenüberzustellen. Dabei fließen neben der Vermeidung von Treibhausgasen auch deren Rückspeicherung, z.B. durch das Nachwachsen von Holz, in die Berechnung ein. Ist die Klimabilanz neutral, dann werden die negativen durch die positiven Wirkungen ausgeglichen. Ist die Bilanz positiv, übertrifft der Klimaschutz den verursachten Schaden.

1) kompensieren = ausgleichen

Klimanotstand

Im Rahmen der Klimadiskussion haben einige Städte, Regionen bzw. Nationen (und die EU) symbolisch den Klimanotstand ausgerufen. Symbolisch deshalb, weil im Gegensatz zum mit diesem Begriff ursprünglich verbundenem Notrecht keine hoheitliche Kontrolle und damit Beschneidungen von Grundrechten ausgelöst werden. Trotzdem drückt der Begriff Klimanotstand die Dramatik, in der sich der Klimawandel bereits befindet, hervorragend aus. Damit signalisieren Regierungen bzw. Verwaltungseinheiten, dass eine erhebliche (zukünftige) Gefahr für Leib und Leben von Menschen existiert, die nicht mehr ohne Hilfe abgewendet werden kann. Das Ausrufen des Notstandes ist daher mit der Suche nach effektiveren Wegen im Klimaschutz und konkreten Zielen, wie z.B. dem 1,5 Grad Zielaao) verbunden. Zudem wird damit die Rolle des Klimaschutzes beim Erlass künftiger Gesetze aufgewertet.

Landwirtschaft nachhaltig

Die Landwirtschaft ist selbstverständlich unverzichtbar, sorgt sie doch weltweit für Nahrungsmittel und andere natürliche Rohstoffe. Sie ist jedoch mit rund ¼ aller ausgestoßenen klimaschädlichen Treibhausgaseaao) auch eine der führenden Klimakiller*innen. Aber muss das auch so bleiben? Immerhin leben wir in Zeiten, in denen (trotz nicht besiegtem Hunger) rund 30% aller produzierten Nahrungsmittel weggeworfen werden. Trotzdem wird weiter wertvoller Regenwald neuen Acker- und Weideflächen geopfert. Zucht- und Ernteerträge werden gentechnisch und chemisch gesteigert. Die Märkte werden weiter mit Überproduktion geflutet und diese rund um den Globus zu den Endverbraucher*innen gekarrt. Diese Phänomene sind zwar dem Umstand geschuldet, dass landwirtschaftliche Profite bei niedrigen Weltmarktpreisen nur über das Produktionsvolumen und globale Absatzkanäle erwirtschaftet werden können. Dass dieses Missverhältnis jedoch mit Förder-Milliarden z.B. von der EU ausgestattet wird, anstatt eine neue profitabel Ausrichtung der Landwirtschaft zu mehr Nachhaltigkeitaao) zu finanzieren, ist nur schwer nachvollziehbar.

Klimaneutraleaao) Landwirtschaft geht, und zwar zu Bedingungen, die sowohl den Unternehmen als auch den Konsument*innen entscheidende Vorteile brächten. Dazu müssten z.B. die Förderungen der Milch- und Fleischwirtschaft an die Reduktion der Produktionsmengen gekoppelt werden, um entgangene Erlöse zu kompensieren. Aktuell aber wird eine Steigerung der Produktionskapazitäten zum Ausgleich schwankender Weltmarktpreise mitfinanziert und damit weiter an der Klimaschraube gedreht. Weniger Produktion senkt zudem den Ausstoß an Treibhausgasen und reduziert den Bedarf an Weidefläche und pflanzlichen Futtermitteln (z.B. Soja). Dafür wird in Südamerika und Indonesien täglich Regenwald geopfert. Eigentlich sollte mehr lokale Lebensmittelproduktion anstatt deren Zentralisierung in wenigen Mega-Betrieben finanziell gefördert werden. Das spart lange klimaschädliche Lieferketten bzw. verhindert Monokulturen und Überdüngung. Im Gegenzug verringert die lokale Produkt-Diversität und der Entfall unnötiger Kostentreiber, wie z.B. der Transport, das Erlösrisiko kleinerer Anbieter. Natürlich sind nicht alle Produkte auch regional herzustellen. Doch alleine eine faire Wertschöpfung lokal möglicher Landwirtschaft (in allen Teilen der Erde) brächte einen echten Schub an Nachhaltigkeitaao).

Nachhaltigkeit

Eigentlich bedeutet das Wort „nachhaltig“ nur „sich auf längere Zeit stark auswirkend“. Dabei ist es nicht von Belang, ob diese Auswirkungen positiver oder negativer Natur sind. Es gibt auch nachhaltige Verschlechterungen oder Probleme. In der Umwelt- und Klimadiskussion ist Nachhaltigkeit jedoch durchwegs positiv besetzt. Egal, ob der eigene Lebensstil, Bereiche wie Wirtschaft, Innovation und Investition, oder Energie, Landwirtschaft u.v.m. betroffen sind. Es geht immer darum, Maßnahmen zu setzen, die sich langfristig zumindest nicht negativ auf die Umwelt und Lebensbedingungen auswirken. So bedeutet nachhaltiges investieren z.B. die Finanzierung von klima- und umweltverträglichen oder ressourcensparenden Projekten. Nachhaltige Landwirtschaft beinhaltet u.a. die Anwendung sparsamer, schonender und natürlicher Anbau- und Tierhaltungsmethoden. Unter nachhaltiger Mobilität wird meist die Nutzung möglichst stau- und emissionsfreier Verkehrskonzepte für nah und fern verstanden. Oder bei nachhaltigem Lebensstil wird auch über Passiv-Energie, gemeinschaftliches Nutzen von Infrastruktur und Gegenständen oder Selbstversorgung statt Lieferketten diskutiert. Sie sehen, in diesem Zusammenhang hat der Überbegriff Nachhaltigkeit durchaus auch etwas mit Enkeltauglichkeitaao) zu tun.

Ökologischer Fußabdruck

Der ökologische Fußabdruck erlaubt es, auf sehr übersichtliche Weise nachzuvollziehen, welche Auswirkungen einzelne Vorgänge auf unsere Umwelt haben. Er kann sowohl für das eigene Verhalten berechnet werden als auch die Wirkung einer Region, die Produktion eines Produktes oder die Umsetzung einer Maßnahme u.v.m. Dabei wird berechnet, wieviel Hektar1) an biologisch nutzbarer Erdoberfläche (Ackerland, Meeresgebiete, Bauland, Wald, u.v.m.) benötigt werden, um alle eingesetzten Ressourcen zu produzieren bzw. schädliche Effekte auszugleichen.

Mit aktuellem Stand der Weltbevölkerung stünde jeder Person eine Fläche von rund 1,7 Hektar/Jahr zur Verfügung, um alle Bedarfe umweltneutral zu befriedigen. Damit würden wir exakt jene Ressourcen verbrauchen, die die Erde pro Jahr zu erzeugen imstande ist. Jede zusätzliche Fläche, die für uns eingesetzt werden muss, nimmt Reserven des Planeten für künftige Generationen vorweg. Aktuell liegt der Ressourcenverbrauch weltweit bei rund 3,3 Hektar pro Jahr und Person, in Österreich sogar bei 5,31 Hektar pro Person. Würden alle Menschen dieser Welt unserem Beispiel folgen, so bräuchten wir die Leistung von gut 3 Erden für unseren Lebensstil.

Der Earth-Overshoot-Day2) benennt in diesem Zusammenhang jenes Datum, an dem einzelne Nationen beginnen, von den Reserven künftiger Generationen zu leben. So waren weltweit 2019 die Ressourcen der Erde für dieses Jahr am 29. Juli aufgebraucht – in Österreich sogar schon am 9. April.

Der CO2-Fußabdruck ist Teil der Berechnung des ökologischen Fußabdrucks und beleuchtet die Menge, die es an z.B. Waldfläche braucht, um die benötigte Menge an CO2 nicht an die Atmosphäre abzugeben, sondern zu speichern. Der CO2-Rucksack stellt für ein Produkt dar, wieviel Kilogramm CO2 zu dessen Bereitstellung (Rohstoffe, Produktion, Vermarktung, Transport, …) eingesetzt wurde.

1) 1 Hektar = 10.000 m2
2) Earth Overshoot Day = Welterschöpfungstag

Permafrostböden

Das sind Bodenflächen, die das ganze Jahr über gefroren sind. Rund 25% der nicht vergletscherten Landgebiete weltweit sind Permafrost1)-Gebiete. Besonders große dieser Regionen liegen in Nordamerika, Skandinavien und Russland/Sibirien. Zum einen wird durch das Eis die Bodenfestigkeit erhalten, was besonders in Gebirgen für Stabilität sorgt. Zum anderen bleiben durch Dauerfrost die schädlichen Treibhausgase CO2 und Methan(aao) in der Erde gebunden. Durch die steigende Erderwärmung(aao) tauen schon jetzt riesige Flächen an Permafrostböden auf und geben Unmengen an Treibhausgasen frei. Je höher und schneller die Temperaturen weiter steigen, desto rascher entweichen auch die Treibhausgase aus dem Boden in die Atmosphäre, was wiederum weitere Temperaturanstiege nach sich zieht.

1) Siehe auch Permafrost Einführung: https://www.awi.de/im-fokus/permafrost/permafrost-eine-einfuehrung.html

Rebound-Effekt

In der Klimadiskussion beschreibt der Rebound1)-Effekt die Tatsache, dass die Gewinne aus einer klimafreundlichen Maßnahme in einen schädlichen Mehrverbrauch münden. Damit wird ein positives Ergebnis wieder aufgehoben und oft sogar in eine negative Bilanz umgewandelt. Ein Beispiel im privaten Umfeld ist die Anschaffung eines sparsamen und damit schadstoffärmeren Autos, um mit dem ersparten Geld klimaschädliche Flugreisen zu finanzieren. In großem Zusammenhang führt z.B. auch Energiesparen zu mehr freiem Angebot auf dem Energiemarkt. Damit sinken die Preise, was wiederum zu vermehrtem Verbrauch verführt. Wir können das aktuell an den niedrigen Preisen für Diesel beobachten, die dazu führen, dass die Wirtschaft wieder vermehrt Transporte von der Bahn auf die Straße verlagert.

1) Rebound = Rückschlag / Abprall

Treibhausgase | Treibhauseffekt

Eigentlich finden sich nur geringe Anteile an Treibhausgasen in der Atmosphäre(aao). Sie sind dabei nicht grundsätzlich schlecht, erfüllen sie doch eine außerordentlich wichtige Aufgabe. Sie managen den Temperatur-Haushalt unseres Planeten. Dabei absorbieren1) sie Wärme, die von der Erdoberfläche in den Weltraum zurückstrahlen würde und halten sie zurück. So sind auch jene Klimaaao)-Bedingungen entstanden, wie wir sie heute kennen. Nur ein Bruchteil weniger Treibhausgase in der Luft, und die Erde wäre zugefroren. Nur ein Bruchteil mehr und die Erde würde zur Hitzekugel. Die Bandbreite dazwischen ist minimal. Das häufigste Treibhausgas ist Wasserdampf, gefolgt von CO2 (Kohlendioxid), CH4 (Methan) und Lachgas (N2O). Das klimaschädliche CO2 entsteht z.B. bei der Verbrennung von fossilen Energieträgern wie Erdöl oder Kohle. Methan entsteht durch die Verwesung/Verdauung biologischer Stoffe, was Gas-Ausscheidungen von Kühen tatsächlich zu einem Klimaproblem werden lässt. Es ist u.a. in Permafrostböden(aao) eingelagert. Methan ist 21 Mal klimaschädlicher als CO2.

Beim Treibhauseffekt verursacht eine zu hohe Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre eine langfristige Erwärmung der erdnahen Luftschichten bzw. der Erde selbst. Das zieht wiederum eine Kettenreaktion an Klima-Veränderungen nach sich, die sich direkt auf das Leben der Menschen, wie wir es kennen, auswirken können.

1) absorbieren = aufsaugen

Verursacher*innen

Insgesamt werden jährlich weltweit ca. 46 Milliarden Tonnen Treibhausgase(aao) in die Atmosphäre gepumpt. Laut Ö1-Wissenschaftsredaktion1) ist dabei weltweit die Energie- und Wärmegewinnung mit 25% aller Emissionen von Treibhausgasen führend, vorrangig über Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen befeuert werden. Dicht darauf folgt die Landwirtschaft, vor allem durch Methan-Emissionen2) in der Milch- und Fleischproduktion mit ebenfalls 25%. Die Industrie ist für rund 20% der Treibhausgase verantwortlich, der Verkehr für 14% und die Zementproduktion für 8%. Das sind auch jene Branchen, in denen aktuell nach den Potenzialen für die nötige Reduktion des Treibhausgasausstoßes um rund 10 auf knapp 36 Milliarden Tonnen geforscht wird.

Persönliche Anmerkung: Wo es Schäden gibt, ist nie die Frage weit, wer wohl dafür zur Rechenschaft gezogen werden kann. Aber ist es trotz heftiger Diskussion und wachsender Anfeindung tatsächlich schon Zeit für Vorverurteilungen? Wir wissen heute, was uns ins aktuelle Klima-Desaster geführt hat (siehe oben). All das resultiert jedoch aus einer tief verwurzelten Überheblichkeit, mit der wir uns alle im Übermaß bei den Ressourcen dieser Erde bedienen. Wir nutzen dafür ein profitorientiertes Wirtschaftssystem, pflegen einen fordernden Lebensstil und gönnen uns eine Politik der kurzen Aufmerksamkeitspanne. Dass unter diesen Rahmenbedingungen Länder, Branchen, Unternehmen und Menschen den Klimawandel (zu) lange ignoriert haben, ist zwar traurig, verwundert aber nicht. Was verwundern würde wäre, wenn die Verursacher*innen des Klimawandels weiter Teil des Problems blieben und nicht Teil der Lösung werden wollten. Ich gehe deshalb trotz allen Bauchwehs davon aus, dass alle Entscheider*innen in der Politik und Wirtschaft bzw. die Bürger*innen noch rechtzeitig den Schwenk in eine klimaneutrale Zukunft vollziehen werden. Auch wenn es manchen schwerfällt.

1) https://science.orf.at/v2/stories/2988476/
2) Emission = Ausgabe (z.B. von Wertpapieren), hier: Abgabe in die Atmosphäre

Wandel - Krise - Katastrophe

Sprechen wir jetzt von einem Klima-Wandel, einer Klima-Krise oder einer Klima-Katastrophe? In der Klimadebatte werden diese Begriffe oft für vermeintlich ein und denselben Inhalt verwendet. Wir sollten dennoch zwischen diesen Begrifflichkeiten unterscheiden. Es geht nämlich nicht nur darum, der Klima-Botschaft eine mehr oder weniger dramatische Wirkung mitzugeben.

Der Klimawandel beschreibt sehr emotionslos das Phänomen, dass sich die Klima-Parameter1) auf dieser Erde (oder einzelnen Regionen) langfristig verändern. Wir kennen das z.B. von den Eiszeiten. Das geschieht seit Urzeiten, auch ohne Zutun des Menschen, und wird nicht immer von dramatischen Konsequenzen begleitet.

Von der Klimakrise (der Jetzt-Zeit) sprechen wir, seitdem der Mensch aktiv negative Veränderungen im globalen Klima beschleunigt bzw. verstärkt. Damit wurden Effekte eingeleitet, die für die Menschheit eine akute, aber auch weiterwachsende existenzbedrohende Gefahr darstellen. Diese Problemstellungen erfordern (wie jede Krise) einen aktiven Bewältigungsmechanismus, den wir schön langsam auslösen sollten, wollen wir nicht auf eine Katastrophe zusteuern.

Die Klimakatastrophe bezieht sich letztendlich auf das Eintreten der prognostizierten Szenarien, wenn tatsächlich Kippelementeaao) fallen, und eine Kettenreaktion an unumkehrbarenaao) Klimaverschärfungen startet. Viele Menschen sehen in den bereits jetzt spürbaren Veränderungen der Lebensbedingungen eine Katastrophe. Ihr wahres Ausmaß, wie z.B. Hitze, Überflutungen, Dürre, Stürme, Verlust von Lebensraum, Hunger, Seuchen, Völkerwanderung und Kriege, wird das aktuell Erlebte jedoch noch massiv toppen.

Die schlechte Nachricht: das alles steht hier nicht nur, weil ich der Klimadiskussion einen Schuss Dramatik mitgeben möchte. Es sind vielmehr reale Szenarien einer mittelfristigen Zukunft, wenn wir es nicht schaffen sollten, das Ruder herumzureißen. Die gute Nachricht: Wir können das Ruder noch herumreißen.

1) Parameter = (technische) Merkmale, Kenngrößen | hier z.B. Temperatur, Druckunterschiede, Niederschläge etc.

1,5-Grad-Ziel und warum es so schwer zu erreichen ist

,Darum dreht es sich (grob zusammengefasst) beim Klimaschutz. Im Pariser Klimaabkommen von 2015aao) hat sich die internationale Gemeinschaft darauf verständigt, die laufende Erderwärmung auf einem Niveau von 2 Grad über dem vorindustriellen Niveau1) einzubremsen – besser noch bei 1,5 Grad. Mit einer maximalen Klimaerwärmung um ebendiese 1,5 Grad hofft die Wissenschaft (aktuell), ein Überschreiten der klimarelevanten Kipppunkteaao) und damit unumkehrbareaao) Klima-Verschlechterungen zu vermeiden. Zu berücksichtigen ist dabei, dass man durch die jährlichen Schwankungen der Durchschnittstemperatur immer mehrjährige Perioden beobachten sollte. So wurden die 20 wärmsten Jahre weltweit während der letzten 22 Jahre gemessen2). Die 5 wärmsten waren dabei (in absteigender Reihenfolge) 2016, 2019, 2015, 2017 und 2018. Wir sehen daran, dass wir seit den ersten weltweiten Klimavereinbarungen 1992 viel Zeit in Verhandlungen investiert haben, ohne jedoch mit dem Klimaschutz maßgeblich voranzukommen.

Es ist dabei mehr als nur mangelndes Problembewusstsein, das die Erreichung des 1,5 Grad-Zieles in weite Ferne gerückt hat. Die für einen langfristigen Erfolg notwendige Reduktion der Treibhausgas-Emissionenaao) hängt direkt mit der Art, wie wir Menschen leben und konsumieren, zusammen. So ist unser Wohlstand und damit auch jener, den ärmere Länder noch erreichen wollen, eng an die globale Wirtschaft und fossile Energieträgeraao) gekoppelt. Wir wissen heute zwar, dass wir auf ein klimafreundliches Leben umschwenken könnten, ohne auf Renditen, Sicherheit und Wohlstand verzichten zu müssen. Die Menschheit zögert dennoch. Anders als viele Menschen sind Unternehmen, Staaten und Kapitalgeber*innen weniger gewillt, auf Erlöse aus den alten, klimaschädlichen Deals zu verzichten, solange es sie ausreichend gibt. Trotzdem: Die Klima-Uhr tickt!

1) Vorindustrielles Niveau = Klimabedingungen um ca. 1850, damals lagen die Durchschnittstemperaturen bei mehrjähriger Messung rund 0,75 Grad unter den heutigen.
2) vergleiche dazu: https://de.wikipedia.org/wiki/Globale_Erwärmung

… to be continued | Fortsetzung folgt …

Das bereitet mir Unbehagen

Es ist die verfahrene Situation bei der Lösung der Klimaproblematik, die mir mehr Sorgen bereitet als die Klimakrise selbst. Zwar gibt es längst Massen an stichhaltigen Beweisen zu diesem Thema. Trotzdem schaffen es die Menschen nicht, bei der Bewältigung der Probleme gemeinsam in die Gänge zu kommen. Es sieht so aus, als stünden sich die einzelnen Anspruchsgruppen unserer Gesellschaft selbst und gegenseitig im Wege. Dabei geht es beileibe nicht nur um das Wie und Wie sehr, das die Menschen in der Diskussion trennt. Es geht scheinbar um die Frage, wer hier den Ton angeben darf. Selbst jenen klimaaktiven und grünen Gruppierungen, die sich federführend dem Thema widmen, ist es offenbar wichtiger es „besser zu wissen“ als entscheidend voranzukommen. Gut, sie haben inhaltlich tatsächlich recht! Und trotzdem erreichen Sie vorrangig nur Menschen die „eh“ schon ihre Gesinnung teilen. Was jedoch fehlt, ist ein gleichberechtigtes Angebot an die große Mehrheit, die dem Thema zwar aufgeschlossen gegenübersteht, eine ideologische Vereinnahmung jedoch ablehnt. Dabei weckt die unterschwellige Einladung, den Fehler „endlich einzusehen“ und sich doch „unterzuordnen“, auch heute noch mehr Widerstand als Sympathie. Das führt eher dazu, dass viele Menschen in Umfragen den Klimaschutz als wichtig erachten, letztendlich als Wähler*innen und Konsument*innen aber (noch) keinen Einfluss ausüben.

Das wirkt gegen das Unbehagen

Seien wir uns ehrlich! Es ist der Trieb zur Selbsterhaltung in kritischen Situationen, der die Menschen seit Urzeiten konsequent, kooperativ und kreativ werden lässt. Und zwar über alle ideologischen Grenzen hinweg. Auch wenn die Zeit immer knapper wird, glaube ich fest daran, dass die Klimawende noch rechtzeitig gelingen wird. Ich beobachte nämlich eine Entwicklung in der man nicht nur wegen, sondern auch trotz penetrantem Klimaaktivismus auf eine gemeinsame Linie einschwenken kann. Hier sei klargestellt, dass ich persönlich voll auf der Seite aller Klima-Aktivist*innen dieser Welt stehe. Ich schätze ihre Arbeit als unendlich sinn- und wertvoll und bewundere den Kampfgeist und die Energie, mit der sie die Politik und Wirtschaft schrittweise zu einer „smarten“1) Klimapolitik drängen. Sie sind jedoch (noch) nicht in der Position Klimaschutz zu erzwingen. Deshalb braucht es zur Bewältigung der Krise mehr als nur Forderungen und die Deutungshoheit2). Es ist die Zivilgesellschaft als Ganzes gefordert. Eine Zweck-Gemeinschaft aller aufgeklärten Bürger*innen, die unabhängig von Ideologien und Animositäten die Welt aktiv zu verändern bereit ist. Und die sehe ich tatsächlich am Horizont!

1) smart = engl. für schlau
2) Deutungshoheit = das alleinige Recht etwas zu definieren bzw. zu interpretieren

 

Salzburg, 2020|05 – Gerd

Blog-Details
  • Content-ID: 003|01
  • Autor: Gerd
  • Stand: 12.04.2020
Lesetipps

Das Klimabuch | Alles, was man wissen muss, in 50 Grafiken | Esther Gonstalla | 2019, oekom Verlag, München

Atlas der Globalisierung 2019 | diverse Autor*innen | Le Monde diplomatique | 2019, taz Verlag, Berlin

Links

Der Spiegel: Woher die Energie des Klimawandels stammt »

Der Standard: Neue Plattform für Klimaszenarien »

Der Standard: Klimaschutz und Lebensstil »

fridays for future | ipcc Bericht: 1,5 °C GLOBALE ERWÄRMUNG – Zusammenfassung für Politiker*innen »

fridays for future: 20 Fakten zur Klimakrise »

ORF: Eigenes zum Klimawandel oft überschätzt »

Der Standard: Klimawandel verstärkt Wetterphänomene »

Die Presse: Klimawandel in Österreich »

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