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Digitalisierung

Digitalisierung x.0

Gebt der Technik das Kommando!

Die Digitalisierung wird von vielen Fachleuten als die neue industrielle Revolution bezeichnet. Und das zu Recht! Neue technische Möglichkeiten bringen mehr Geschwindigkeit, Effizienz und Leistungsvermögen in viele Bereiche der Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft.  Aber auch gänzlich neuartige Denkansätze erhalten eine technische Grundlage. Künftige Produkt- und Lebenswelten werden ohne künstliche Intelligenz, vernetzte Gegenstände und zentrale Datenwelten nicht mehr auskommen.

Ist die fortschreitende Digitalisierung ein Segen oder ein Schreckgespenst? Erleichtert Sie unser Leben tatsächlich? Sichert sie Frieden und Wohlstand oder teilt sie die Welt in Gewinner*- und Verlierer*innen? Die Antwort auf diese Fragen werden Sie für sich selbst finden müssen. Sie sind im Rahmen der digitalen Entwicklung auf jeden Fall betroffen, ob Sie es wollen oder nicht. Deshalb sollten Sie entscheiden, ob Sie die vielen Veränderungen, die auf Sie zukommen, als Chance oder als Gefahr erachten. Oder aber es ist Ihnen einfach egal.

Nachfolgend finden Sie einen groben Umriss meiner Sicht auf das Thema Digitalisierung. Ich beziehe mich dabei vorwiegend auf globale Zusammenhänge – durchaus aber auch mit Österreich-Bezug. Dazu gibt es in der Fachwelt selbstverständlich eine Reihe von Studien und Beiträgen. Diese haben mir tiefe Einblicke in das Thema eröffnet. Im Rahmen meines Blogs werden ich künftig näher darauf eingehen.

Woran wir uns gewöhnen sollten

Das sind meine Top 5 Thesen zu aktuellen Trends in der laufenden Digitalisierung. Sie beschreiben den Stand der Entwicklung natürlich nur in Ausschnitten. Es mag weitaus mehr und für Sie auch wichtigere Themenfelder geben, die hier fehlen. Dafür bitte ich um Nachsicht.

These 1: Alles ist möglich

Zur Beruhigung: Noch (!) hat (wahrscheinlich) kein Hacker Ihr Konto leergeräumt, Ihre persönlichen Daten an Dritte verkauft, Ihr Wahlverhalten manipuliert oder die Schaltzentralen der Macht übernommen. Mahnung: Es gibt durchaus intensive Bemühungen genau das zu tun – mit wachsendem Erfolg. Zur Information: Technisch wäre das und noch viel mehr kriminelles Engagement längst machbar. Dem gegenüber steht jedoch ein enormes Potenzial an positiven Veränderungen, die die Gesellschaft der Zukunft prägen werden. Künstliche Intelligenz, hochkomplexe Algorithmen, unbegrenzter Speicherplatz und totale Vernetzung sind schon heute Realität – für die Guten und für die Kriminellen auf der dunklen Seite der Macht.

These 2: Digital ist auch global

Digitaler Technik sind keine nationalen Grenzen zu setzen (ausgenommen staatliche Zensur). Es ist Teil ihres Wesens, breit vernetzt auf allen Kontinenten zu agieren. Erst das macht sie nützlich, effizient und stabil. Selbst einfache Web-Seiten stammen heute von mehr als nur einem stationären Server. Das ist okay so, wir haben uns damit längst arrangiert. Diese extreme Globalisierung bringt jedoch auch Probleme mit sich: So sind Cyber-Kriminalität, Steuerbetrug oder Datenmissbrauch nur mehr schwer nachzuverfolgen. Ebenso ist unsere Privatsphäre nicht mehr zu 100% zu schützen. Wollen wir das, braucht es ein einheitliches internationales Recht zu digitalen Belangen. Doch das ist noch Zukunftsmusik.

These 3: Alles wird Hardware

Es sind nicht mehr nur PC, Tablet oder Handy, über die wir heute miteinander verbunden sind. So wird dem Handy durch Bezahl-, Schlüssel- oder Behörden-Apps eine noch zentralere Rolle in unserem Leben vorausgesagt. Es liefern aber auch jede Menge Sensoren, Tracker, ja sogar Fernseher, Autos und Haushaltsartikel Daten an zentrale Server. Im Gegenzug erhalten diese Dinge künftig über das Internet Informationen und Anweisungen retour. In der Fachwelt heißt das „Internet of Things“ (Internet der Dinge). Für Industrie-Roboter, autonomes Fahren oder SMART-Technologien ist das bereits digitale Gegenwart. Aber auch in vielen anderen Bereichen werden bald autonome Systeme Leistungen ohne Einfluss von Menschen übernehmen.

These 4: Es gibt ökologische Begleiteffekte

Wer von der Bedeutung der Digitalisierung für die Umwelt spricht, meint oft nur das Potenzial an Einsparungen und Optimierungen. In diesen Bereichen ist tatsächlich einiges möglich. Dabei übersehen wir aber gerne, dass auch Entwicklungen gefördert werden, die sich negativ auf die Rohstoff- und Energie-Situation weltweit auswirken. Dazu gehören zum einen seltene Rohstoffe für Hardware, die nur mit großem Aufwand der Erde abgerungen und aufbereitet werden können. Zum anderen wird sich der globale Strombedarf für digitale Infrastruktur, Serverfarmen, digitale Währungen u.v.m. gegenüber heute vervielfachen.

These 5: Der Hunger auf Ihre Daten wächst weiter

Die Erhebung von Daten geschieht meist auf legalem Weg! Trotzdem gibt es Versuche, unrechtmäßig an Ihre Daten zu gelangen. Das beginnt beim Ausspähen von Zugangsdaten und es endet beim gigantischen Diebstahl von sensiblen Daten aus großen Datenbanken. Sie haben es meist Verstößen gegen den Datenschutz, kriminellen Hackern, menschlichem Versagen oder Sicherheitslücken zu verdanken, dass sensible Daten über Sie in Umlauf gelangen. Daher ist es nie verkehrt, die Sicherheit der eigenen Daten im Auge zu behalten. Bedenken Sie dabei bitte auch, dass nicht nur Sie Daten über Ihre Person gespeichert haben, die für andere von Interesse sind.

Was mir zu denken gibt

Die Digitalisierung ist die wohl größte Herausforderung für die heutige Gesellschaft. Sie betrifft alle Bereiche unseres Lebens. Selbstverständlich eröffnen technische Weiterentwicklungen eine Vielzahl an Chancen für uns und künftige Generationen. Leider bergen sie aber auch ungeahnte Möglichkeiten für Fehlentwicklungen und Missbrauch.

Unbehagen 1: Künstliche Entscheidungen

Maschinen können immer nur lernen, was Menschen Ihnen beibringen (noch). Trotzdem naht der Tag, an dem künstliche Intelligenzen selbstständig essenzielle Tätigkeiten übernehmen werden. Aktuell in Entwicklung sind z.B. autonome Fahrzeuge, medizinische Diagnosen, Rechtsangelegenheiten, Finanzgeschäfte u.v.m. Für Betroffene stellt sich dabei die Frage, wie Computer in Notsituationen entscheiden und wer letztendlich die Verantwortung dafür übernimmt. Erste Tests haben gezeigt, dass künstliche Intelligenzen auch menschliche Fehler übernehmen (z.B. Diskriminierung) und zudem für menschliche Regungen (z.B. Empathie) nicht empfänglich sind.

Unbehagen 2: Gestohlene Identitäten

Früher war es der Ausweis oder die Unterschrift, die zur Nutzung von personalisierten Leistungen berechtigt haben. Heute sind zunehmend digitale Autorisierungsverfahren im Spiel. Das Problem dabei ist, dass digitale Identitäten nicht nur von uns als Berechtigten eingesetzt werden können. Passwörter, IDs, PINs etc. können auch heute schon von Fremden missbraucht werden. Das gilt auch für biometrische Daten (Finger-Prints, Gesichtserkennung etc.) oder mehrstufige Anmeldesysteme. Wenn das passiert, steht auch der Zugang zu unseren elektronischen Akten, Bank-Daten, persönlichen und geschäftlichen Netzwerken etc. offen. Besonders dann, wenn digitale Identitäten die Besitzer*innen wechseln, ohne dass es bemerkt wird.

Unbehagen 3: Business first

An erster Stelle bei digitaler Innovation stehen immer mögliche Geschäftsmodelle. Wo lässt sich rasch und viel Geld verdienen, wo neue Geschäftsfelder kreieren und wie die bestehende Wirtschaftsordnung umkrempeln? Dafür werden lieber neue kommerzielle Bedarfe geschaffen als bestehende gesellschaftliche Bedürfnisse befriedigt. Das führt zu manipulativem Marketing über eine zunehmend vernetzte Medienwelt. Und es zwingt die Menschen mitzumachen, da die analoge Nutzung von Leistungen (also ohne digitale Medien) schrittweise abgeschafft wird.

Unbehagen 4: Das digitale Monopol

Wer kennt nicht das Silicon Valley oder Shenzhen (chinesisches IT-Zentrum)? Diese Orte gelten als Labore der digitalen Revolution. Dort arbeiten Facebook, Google, Huawei & Co bereits heute an der digitalen Zukunft der Menschheit. Diese Konzerne sind gerade dabei, die klassischen Branchen und die Menschen dieser Welt von ihrer Technik abhängig zu machen. Die dafür benötigten enormen Mengen an Kapital sind fast unbegrenzt vorhanden. Ebenso wächst der Einfluss auf die Wirtschaft und die Regierungen aller Länder. Das sind keine guten Aussichten für ein selbstbestimmtes Leben in der Zukunft.

Unbehagen 5: Es gibt keine EXIT-Strategie

Es mag voreilig klingen, wenn man zu Beginn einer Entwicklung bereits an einen Wieder-Ausstieg denken soll. Und trotzdem wäre das angesichts des steten, meist radikalen Wechsels von Leit-Technologien nötig. So schaffen wir es selbst heute nicht mehr, uns ohne große Anstrengungen von z.B. fossiler Energie zu lösen, obwohl wir es sollten und könnten. Auch die digitale Technik wird sich in absehbarer Zeit soweit verändern oder gar überholen, dass wir imstande sein sollten, rasch darauf zu reagieren.

Digitale Menschenrechte

Die digitale Revolution ist heute allgegenwärtig. Sie ist auch nicht mehr rückgängig zu machen. Viele Menschen finden sich daher mit dem wachsenden Einfluss digitaler Lösungen auf unser Leben ab. Die zunehmende Digitalisierung unserer Gesellschaft geschieht in vielen Bereichen jedoch über die Köpfe der Menschen hinweg. Konzerne und Politiker*innen bestimmen eigenmächtig die Richtung, in die es gehen soll. Dabei stehen meist wirtschaftliche Gewinne und politische Macht im Zentrum.

Abweichende Erwartungen der Gesellschaft und einzelner Menschen an die digitale Zukunft passen nicht immer ins Bild. Es stört, wenn wir nicht einfach vor vollendete Tatsachen gestellt werden wollen. Trotzdem haben wir ein Recht darauf, mögliche Alternativen zu kennen und zu diskutieren. Heute ersetzt die Rundumversorgung mit Produkten und Leistungen weitgehend menschliche Eigeninitiative und Selbstverantwortung. Viele Menschen fühlen sich durchaus wohl, so bevormundet zu sein. Sie sind bereit, für diese Art der Bequemlichkeit immerwährenden Konsum und digitalen Gehorsam zu leisten. Wer das nicht möchte, sollte darauf achten, dass ein Mindestmaß an digitalen Rechten für alle Bürger*innen weltweit gewährt bleibt.

Ansätze eines digitalen Rechtsrahmens

Datenschutz ist Persönlichkeitsschutz: Das alleinige Recht auf die Erhebung, Weiterverarbeitung und Verwendung persönlicher Daten muss auch künftig bei der Person selbst verbleiben. Niemand sollte Daten über Sie und mich ohne unsere ausdrückliche Zustimmung verwenden dürfen. Das gilt auch für Unternehmen und Behörden.

Haftungsfragen und Regress: Für die negativen Auswirkungen digitaler Entwicklungen muss jemand haften. Das gilt nicht nur für direkte Schäden wie z.B. bei autonomem Fahren, sondern auch für indirekte Schäden z.B. durch Missbrauch unzureichend geschützter persönlicher Daten – egal durch wen.

Nicht alles MUSS sein – es braucht auch analoge Lebensräume: Wer einzelne digitale Lösungen nicht möchte, muss ohne negative Konsequenzen darauf verzichten dürfen (opt out). Die Nicht-Nutzung von z.B. SMART Homes, vernetzten Autos oder Bezahldiensten darf keine Strafen, Minderleistungen oder Mehrkosten verursachen.

Bürgerfreundliche Rechtsrahmen und Mitspracherechte: Digitales Recht – auch internationales – muss zum Wohle der Menschen und nicht zum Vorteil von Unternehmen und Behörden formuliert werden. Daher sind die Bürger*innen in die Ausgestaltung des digitalen Rechts mit einzubeziehen.

Lassen Sie sich im Rahmen der digitalen Revolution das Heft nicht aus der Hand nehmen. Pochen Sie als Bürger*in, Wähler*in und Konsument*in auf Ihre Rechte – mit Nachdruck!

Salzburg, 2020|05 – Gerd

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Wer schützt eigentlich Ihre Daten im Internet? Auch wenn Sie vorsichtig mit der Weitergabe von Informationen umgehen, haben Sie nur wenige Möglichkeiten, selbst zu bestimmen, wer diese zu Gesicht bekommt. Für die Sicherheit Ihrer Daten sorgen meist andere. Und denen müssen Sie wohl vertrauen.

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Es gibt keine Branche, zu deren Zukunft so viele Versionen im Umlauf sind, wie die Mobilität. Das ist, angesichts ihrer Bedeutung, verständlich. Wo aber liegt in 20-30 Jahren wirklich unser Bedarf und wo sind die Grenzen des Machbaren? Oder folgen wir nur klug inszenierten Wunschvorstellungen?

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002 Digitalisierung kompakt

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001 Gebrauchsanleitung

Unbehagen.at soll helfen, die großen Themen unserer Zeit besser zu verstehen. Dass heute zwar oft diskutiert, jedoch selten erklärt wird, macht die Welt unübersichtlich. Ich versuche die Komplexität vieler Themen etwas aufzubrechen und die Zusammenhänge verständlich darzustellen.

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