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Gesellschaft

Gesellschaft im Wandel

Der Kampf ums nächste Jahrzehnt!

Rund 8 Milliarden Menschen leben 2020 auf der Erde. Knapp 450 Mio. davon wohnen in der EU, 9 Mio. in Österreich. Tendenz steigend! Dass es der Mensch überhaupt geschafft hat, die bestimmende Spezies auf der Erde zu werden, ist der Evolution geschuldet. Diese hat uns mit einem großen Hirn ausgestattet. Das wiederum versetzt uns in die Lage, rationale Entscheidungen zu treffen. Eine dieser Entscheidungen war, sich in Gemeinschaften zu organisieren. Das war gut so, denn sonst gäbe es uns längst nicht mehr.

Um das Zusammenleben in Gemeinschaft zu optimieren, wurden bereits unter den frühen Menschen Regeln vereinbart. Derartige Vereinbarungen zwischen den Menschen, Gruppen und Nationen bilden auch heute noch das Fundament unserer Gesellschaft. Sie sind mittlerweile niedergeschrieben und weltweit anerkannt (UNO, Menschenrechte, demokratische Verfassungen). Alle diese Verträge basieren auf gegenseitigem Respekt und dem Bekenntnis zu einem friedlichen Zusammenleben. Und es funktioniert! Hingegen hat jeder Versuch, aus diesen Vereinbarungen auszubrechen, bislang in Kriegen, Leiden und Zerstörungen geendet. Trotzdem wir das wissen, gibt es auch heute noch Bemühungen, die (internationale) Gemeinschaft zu spalten und die Gesellschaft ihrer Erfolgsfaktoren zu berauben: Respekt, Solidarität und Kooperation über alle Grenzen hinweg.

Auch wenn im Zuge der Aufarbeitung der Corona-Krise 2020 zwischen Nachbarn eine neue Nähe entstanden ist, zeigt die zunehmende Abschottung von Staaten und das Aufkündigen solidarischer Grundsätze in der internationalen Gemeinschaft die Zerbrechlichkeit unserer Gesellschaft. Was nach dem 2. Weltkrieg als weltumspannende Kooperation für Sicherheit und Wohlstand sorgte, steht heute wieder einmal auf der Kippe.

Nachfolgend finden Sie eine grobe Darstellung meiner Sicht auf das Thema „Gesellschaft im Wandel“. Ich beziehe mich dabei vorwiegend auf globale Zusammenhänge – durchaus aber auch mit Österreich-Bezug. Dazu gibt es in der Fachwelt eine Reihe von Studien und Beiträgen. Diese haben mir unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema eröffnet. Im Rahmen meines Blogs werden ich künftig näher darauf eingehen.

Woran wir uns gewöhnen sollten

Abseits der Corona-Krise sind das meine Top 5 Thesen zur aktuellen Befindlichkeit der Gesellschaft. Sie beschreiben die Situation der lokalen und internationalen Gemeinschaft natürlich nur in Ausschnitten. Es mag weitaus mehr und für Sie auch wichtigere Themenfelder geben, die hier fehlen. Dafür bitte ich um Nachsicht.

These 1: Die Gesellschaft ist gespalten – definitiv

Heute durchziehen eine Vielzahl von Gräben die Gesellschaft weltweit. Wir unterscheiden in „Wir und Sie“, in „arm und reich“, in „Sieg und Niederlage“ u.v.m. Besonders entzweien uns unterschiedliche Visionen einer künftigen Gesellschaft. Wollen wir in einer offenen solidarischen Gemeinschaft oder abgeschottet hinter Mauern leben? Auch wenn wir uns angesichts Corona zumindest lokal solidarisieren, stellen wir noch immer das Trennende vor das Verbindende. Und wir tun das oft voller Hass, Misstrauen und Ablehnung gegenüber unseren Mitmenschen. So ist bis heute schon viel an gegenseitigem Respekt und Vertrauen zerstört worden. Ich bin mir nicht sicher, ob noch wir oder erst spätere Generationen diese wachsenden Konflikte lösen können.

These 2: Die Menschen sind politisch aktiv wie lange nicht mehr

Social Media macht’s möglich: Die Menschen setzen sich vermehrt öffentlich mit politischen Themen auseinander. Was früher der Stammtisch war, sind aktuell Online-Netzwerke. Das sind digitale Orte, an denen wir auch unsere politische Einstellung öffentlich machen. Damit ist ein erster Schritt getan! Viele Menschen aber wollen mehr. Sie wollen politisch Einfluss nehmen. Es sind längst nicht mehr die Interessen der Politik, für die sich die Menschen einspannen lassen. Es sind jetzt eigene Themen, zu denen sie die Politik in Gespräche zwingen. Zunehmend mit Erfolg, wie die aktuelle Klimadiskussion zeigt.

These 3: Die Globalisierung ist unumkehrbar

Die weltweite Vernetzung der Gesellschaft und ihrer Systeme ist eine bedeutende Errungenschaft der Menschheit. Globalisierung steht unter anderem für Innovation und Dynamik. Nur sie macht es möglich, die großen, bedrohlichen Probleme der Welt in der gebotenen Zeit zu lösen. Ausschließlich nationale Strukturen wären damit überfordert. So sind globale Ansätze für z.B. das Internet, den Frieden, den weltweiten Handel oder den Umweltschutz nicht mehr wegzudenken. Machen wir uns daher nichts vor: Die ganze Welt ist für jeden Menschen genauso wichtig wie die persönliche Umgebung!

These 4: Ungleichheit ist Teil des Plans

Die Diskussion um Ungleichheit in der Gesellschaft wird öffentlich gerne als Neid-Debatte abgetan. Warum aber? Es geht im Grunde doch nur darum, allen Menschen gleiche Bedingungen zu bieten. Was also hindert uns daran, realistische Chancen und die nötige Unterstützung gerecht zu verteilen? Nur wer Zugang zu Sicherheit, Bildung, Erwerb und sozialer Absicherung hat, gehört zu den Gewinner*innen der Gesellschaft. Da es aus der Sicht von Politik und Wirtschaft aber auch Verlierer*innen braucht, werden Chancen auch heute noch sehr selektiv verteilt. Gleiche Bedingungen für alle bleibt vorerst Zukunftsmusik!

These 5: Neue Lebensmodelle sind im Vormarsch

Neben akuten Krisen zwingen langfristig auch gesellschaftliche, wirtschaftliche oder ökologische Entwicklungen viele Menschen dazu, ihren Lebensstil zu überdenken. In ärmeren Regionen führt das zu Krieg und Vertreibung. In entwickelten Ländern entstehen neue Ansätze des Miteinanders. Aktuell im Trend sind regionale Wirtschaftsmodelle und innovative Formate des Lebens und Nutzens in einer Gemeinschaft. Gemeinsam bauen und wohnen, gemeinsam arbeiten (coworking), gemeinsam nutzen (coop/sharing) erfreuen sich schon jetzt wachsender Beliebtheit. Weitere Ideen werden folgen.

Was mir zu denken gibt

Dass die Gesellschaft in stetem Wandel ist, bereitet nicht wirklich Angst. Wäre sie es nicht, würde ich mir mehr Sorgen machen. So bringen Bildung, kollektive Erfahrungen und der technische Fortschritt neue Chancen auf ein gutes, sicheres Leben. Trotzdem gibt es Entwicklungen, die den Frieden in unserer Gesellschaft massiv bedrohen.

Unbehagen 1: Unser Umgangston ist rau geworden

Die Menschen kommunizieren zunehmend aggressiv, fordernd, radikal und herabwürdigend miteinander. Falschinformation und Manipulation sind allgegenwärtig. Andere Meinungen werden nicht zugelassen. Andersdenkende werden (wieder) verfolgt und diskriminiert. Damit ist ein offener gesellschaftlicher Diskurs auf längere Sicht schwierig geworden.

Unbehagen 2: Die Ablehnungsgesellschaft liegt in Führung

Der „Nein“-Reflex in unserer Gesellschaft dominiert visionäre Strömungen ganz klar. „Nein“-Sager*innen sind mehr, radikaler und leichter zu mobilisieren. Dabei eint die Ablehnung gegen alles, das anders ist oder anders sein wird. Jene Menschen, die unsere Gesellschaft weiterentwickeln wollen, tun sich schwerer. Ihr Aufwand, positive Anliegen verständlich zu formulieren, ist ungleich größer. Zudem agieren sie statt im Kollektiv gerne in kleinen, autonomen Gruppen.

Unbehagen 3: Die vorgetäuschte Innovation

Die Digitalisierung der Welt wird oft mit der Vision von einer funktionierenden Gesellschaft der Zukunft verwechselt. Zwar wird der technische Fortschritt unsere künftige Lebensweise verändern. Eine Antwort auf die Frage, wie wir in Zukunft leben wollen (nicht müssen), bietet er hingegen nicht. Dazu bräuchte es eine echte Innovationskultur in allen Lebensbereichen wie Arbeit, Wirtschaft, Sozialem oder Solidarischem. Die aber ist nicht in Sicht.

Unbehagen 4: Die Illusion des „Unter sich seins“

Viele von uns wollen heute nur mehr mit ihresgleichen zu tun haben. Gemeinsamkeiten sind z.B. Herkunft, Bildung, Vermögen, Beruf, Status oder Hautfarbe. Dumm nur, dass wir alle auch Teil bunt gemischter sozialer Gruppen sind. Wir sind auch Nachbar*innen, Eltern, Mitglieder, Kolleg*innen oder Kund*innen, … Wir pflegen damit Beziehungen zu Menschen, die so gar nicht in unseren abgeschotteten Mikro-Kosmos passen wollen. Das macht es schwer, unter sich zu bleiben – glücklicherweise!

Der Traum von Würde und Freiheit

Viele Menschen sehnen sich nach einem friedlichen Leben in Respekt, Wohlstand und Gemeinschaft. Was aber ist das Geheimnis einer humanen, solidarischen und damit zukunftsfähigen Gesellschaft? 90% der Antwort auf diese Frage finden wir in nur zwei Grundsätzen:

  • Die Würde des Menschen ist unantastbar. (Art. 1 der Charta der Grundrechte der EU)
  • Die Freiheit des Einzelnen endet dort, wo die Freiheit des anderen beginnt. (Zitat Immanuel Kant).

Viel mehr Anleitungen für Frieden und Wohlstand braucht es wirklich nicht. Würde jeder Mensch sein individuelles Handeln danach richten, wäre diese Welt schlagartig eine angenehmere. Jedoch ist unsere Gesellschaft an diesen Punkten auch am verletzlichsten. Angriffe auf die Würde und das Einschränken der Freiheit sind beliebte Strategien, Menschen und Völker gegeneinander aufzubringen. Genau das passiert gerade weltweit, mit teils extremen Konsequenzen für die Einzelnen.

Für mich ist es höchst an der Zeit, neue Visionen einer solidarischen Zukunft der Menschheit zu entwickeln. Wieder mit mehr Respekt, Menschlichkeit und Willen zur Zusammenarbeit. Nicht rückwärtsgewandt, sondern mit neuen Zielen in einer sich stets entwickelnden Gesellschaft. Denn die Gesellschaft ist im Wandel – und das ist gut so!

 

Salzburg, 2020|05 – Gerd

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