Business Novelle

Content-ID: 068|01 | Autor: Gerd | Stand: 30.9.2021

Lesesüchtig

Am Anfang ist immer das Wort

Ich heiße Gerd, bin 56 Jahre alt und ich bin lesesüchtig. Es stimmt: Ich liebe Bücher, vielmehr das Lesen, die Haptik und den stillen, intimen Austausch mit den Autor*innen. Genauer gesagt bin ich süchtig nach Sachbüchern. Ganz besonders bevorzuge ich Fachliteratur, die sich mit der Zukunft der Welt und der Gesellschaft auseinandersetzt. Dabei jedoch bin ich wählerisch. Als mutmaßlich seriös recherchiert muss ein Buch gelten, um es auf meine Einkaufsliste zu schaffen. Zudem sollte es wissenschaftlich hinterlegt, nicht reißerisch und keinen obskuren Theorien nachhängend sein. Dabei gönne ich mir durchaus gegensätzliche Ansichten zu strittigen Themen. Egal ob die Mobilität der Zukunft, Digitalisierung, Klimawandel oder Wirtschaftswelten, ich suche immer den Diskurs. Erst das Gegenüberstellen von Thesen und Antithesen, von konträren Argumenten und der Vergleich von Fakten erlauben es mir, selbst eine Meinung zu bilden. Darauf kommt es mir an. Ich habe nun einmal gerne eine eigene Sicht der Dinge. Ich möchte verstehen und nicht nur nachbeten. Dazu aber braucht es die Auseinandersetzung mit anderen Ansichten.

Mit dem Lesen von Sachbüchern ist es wie mit dem Essen von Manner-Schnitten. Einfach die ganze Dosis auf einmal, abbeißen oder gar Häppchen für Häppchen, Schicht für Schicht genießen. Wie gehen Sie an die Lektüre von Fachliteratur heran? Was ist Ihnen wichtig und wo bringen Sie sich selbst ins Spiel? Für mich ist Bücher zu lesen wie in die Welt anderer einzudringen und mitzudenken. Anders als die Schlagzeilen der täglichen Berichterstattung widmet sich seriöse Fachliteratur nämlich nicht nur dem Augenblick. Es geht um die Hintergründe, Fakten, Deutungen und Schlussfolgerungen, die einladen, sie mit eigenen Erfahrungen zu vergleichen. Erst daraus entstehen jene inneren Filme, in denen das Gelesene erlebbar wird. Ich nutze die halbleeren Seiten nach einzelnen Kapiteln gerne, die Augen zu schließen und das vorher Erfahrene in meinem Kopf bildlich darzustellen. So werden Fakten zu Kulissen, Argumente zu Drehbüchern und Interpretationen zu realen Szenen. Ich bin dann mittendrin und suche meine eigene Rolle im Kopfkino und in der fachlichen Diskussion.

Die eine Zukunft gibt es nicht

Die Zukunft wird in der Literatur oft als möglicher Zustand der gesamten Welt in einer fernen Zeit dargestellt. Allgemein gültig und ausgehend von heute sich Schritt für Schritt weiterentwickelnd. Reduziert auf persönliche Erwartungen, ist das jedoch nur die halbe Wahrheit. Klar hilft es fallweise, sich die Zukunft als ein in sich geschlossenes Konstrukt an Rahmenbedingungen vorzustellen, das irgendwann relevant sein wird. Aber spätestens auf die Frage, wie mögliche Entwicklungen jemanden persönlich betreffen werden, erhalten wir auf dieser Welt einige Milliarden unterschiedliche Zukunftsversionen. Darauf baut z.B. die Wirtschaft der Zukunft. Künftige Märkte werden die Summen der künftigen individuellen Bedürfnisse und der künftigen Möglichkeiten sein, diese zu befriedigen. Kein Wort von heutigen Bedürfnissen oder heutiger Technik.

Verfolgt man jedoch die Arbeit der populären Prognose-Industrie, stößt man vielfach auf künftige Probleme, die mit heutigem Technik- und Systemverständnis gelöst werden sollen. Das liegt einerseits daran, dass nur wenige Wissenschaftler*innen die Gabe besitzen, aus der Vielfalt möglicher Zukünfte die wahrscheinlichsten Szenarien plausibel herauszufiltern. Daher werden, um die Leser*innen nicht zu überfordern, innovative Entwicklungen in der Gegenwart verankert. Andererseits stecken hinter vielen Zukunftsdeutungen aktuelle Interessen. Vor allem aus Marketingsicht und politischen Motiven werden künftige Entwicklungen gerne allgemeingültig und als fixe Szenarien dargestellt und mit Emotionen versehen. Damit ergeben sich konkrete Wirkungsräume, auf die Individuen – also Sie und ich – nur bedingt Einfluss nehmen können. Dagegen sollten wir uns wehren und selbst nach unserer persönlichen Zukunft forschen. Und was könnte dabei hilfreicher sein als die selbstbestimmte Auseinandersetzung mit den Thesen renommierter Wissenschaftler*innen?

Zwei Einladungen

Literaturempfehlung „Unsere Welt neu denken“

Frau Professorin Dr. Maja Göpel ist u.a. Politökonomin, Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Transformationsforschung, Autorin, Hochschullehrerin und Mitbegründerin der Scientists4Future-Bewegung. Sie lädt mit ihrem Werk „Unsere Welt neu denken“ ein, die Zukunft neu und ganz anders in den Blick zu nehmen (siehe Lesetipp). Wohin dabei die Reise geht, lässt der Ankündigungstext zu ihrem Buch gut erahnen: Unsere Welt steht an einem Kipp-Punkt, und wir spüren es. Einerseits geht es uns so gut wie nie, andererseits zeigen sich Verwerfungen, Zerstörung und Krise, wohin wir sehen. Ob Umwelt oder Gesellschaft – scheinbar gleichzeitig sind unsere Systeme unter Stress geraten. Wir ahnen: So wie es ist, wird und kann es nicht bleiben. Wie finden wir zu einer Lebensweise, die das Wohlergehen des Planeten mit dem der Menschheit versöhnt? Wo liegt der Weg zwischen Verbotsregime und Schuldfragen auf der einen und Wachstumswahn und Technikversprechen auf der anderen Seite?

Mein Projekt „Business Novelle“

Auch wenn es noch dauern wird, aber auch ich werde einen Teil meiner beruflichen Arbeit der Zukunft widmen. Mit meinem Buch-Projekt „Business Novelle“ werde ich künftig wirtschaftsrelevante Zukunftsthemen beleuchten und versuchen, diese aus dem Elfenbeinturm der Wissenschaft auf die Ebene der betroffenen Bevölkerung zu holen. Es geht einerseits darum, populär vermarktete Trend-Prognosen auf ihre Plausibilität und Praxistauglichkeit abzuklopfen. Andererseits gilt es, jene Märkte, Nischen und Branchen der Zukunft zu entdecken, die sich im Sog von allgemeinen Mega- und Metatrends neu etablieren werden. Dabei können wir gemeinsam nach Business-Visionen forschen, die Ihnen bei Ihren individuellen Planungen sehr konkret weiterhelfen.

Salzburg, 09|2021 – Gerd

Hinweise

Haptik = das Gefühl, etwas zu fühlen, anzugreifen, ertasten, spüren, …

obskur = zweifelhaft

Lese- und Link-Tipps

Unsere Welt neu denken. Eine Einladung | Maja Göpel | 2020, Ullstein Buchverlage, Berlin

Zukunft & Forschung | Die Vielfalt der Vorschau – 66 Stichworte von A bis Z | Reinhold Popp | 2020, LIT Verlag, Wien

Prof.in Dr. Göpel: https://www.maja-goepel.de/ »

Projektstart Business Novelle: https://www.business-novelle.eu/ »

Unbehagen Lesetipps: https://unbehagen.at/leseliste/ »

Blog-Beitrag: https://unbehagen.at/007-faszination-zukunft/ »

 

Ihr Feedback

Mit dem Beitrag einverstanden? Oder fehlt etwas bzw. stimmt etwas nicht? Dann geben Sie mir bitte ein Feedback.

Datenschutz: Die übermittelten persönlichen Daten werden ausschließlich zur Beantwortung des Beitrages verwendet und weder archiviert, noch weitergegeben.

10 + 6 =