Klima-Ninja

Content-ID: 022|01 | Autor: Gerd | Stand: 01.10.2020

Seien Sie Klima-Ninja

3 Gründe, warum der Kampf ums Klima weitergehen muss

box = nähere Details finden Sie in der Fakten-Kiste am Ende dieses Beitrags.

Ihr persönlicher Einsatz gegen den Klimawandel ist und bleibt gefragt. Auch wenn sich wieder einmal die Wortmeldungenbox häufen, in denen privates Engagement zur Reduktion des individuellen CO2-Fußabdruckes kleingeredet wird. Das sollte Sie nicht entmutigen. Die Forderungen an die Politik, mehr zur Rettung der Welt beizutragen als bisher, sind natürlich berechtigt. Da muss mehr kommen als nur Überschriften und Durchhalteparolen. Die Welt retten können wir jedoch nur alle gemeinsam. Deshalb: Bitte bleiben Sie fürs Klima auch privat aktiv!

Statistisch gesehen stimmt es, dass die Summe der Einzel-Beiträge der rund 8 Milliarden Menschen auf dieser Erde nicht ausreichen wird, die Klima-Katastrophe abzuwenden. Darüber sind sich die Wissenschaft, die Politik und die Bürger*innen einig. Dass jedoch ziviles Engagement kontraproduktiv zum politischen Lösungsauftrag sein soll, ist frei erfunden! Auch die Vermutung, die politischen Eliten würden damit die Verantwortung an Sie und mich abschieben, ist mehr Kampfrhetorik denn nachvollziehbar. Es gibt auch weiterhin den klaren Auftrag zur Klimarettung an die Regierungen und die Wirtschaft weltweit. Die Rolle der Zivilgesellschaft ist jedoch mit dem Einfordern, Kontrollieren, Akzeptieren und Umsetzen von Maßnahmen nicht weniger wichtig.

1] Wir sind Teil der Lösung

Es gibt tatsächlich neue nennenswerte Anläufe in der Staatengemeinschaft, die Emission von Treibhausgasen weltweit massiv zu reduzierenbox. So haben die EU mit dem „Green Deal“ oder China, das bis 2060 klimaneutral werden möchte, schon heute wohlklingende Überschriften produziert. Aber auch Bayern und Kalifornien, die bis 2035 den Verkauf von Autos mit Verbrennungsmotoren stoppen wollen, holen sich frühzeitig den Applaus der Medien ab. Ob diese Vorhaben jedoch genauso ambitioniert umgesetzt werden wie angekündigt, steht in den Sternen. Eher werden diese Ziele einer destruktiven Diskussion und halbherzigen Kompromissen zum Opfer fallen, als dass sie erreicht werden.

Es sei denn, die Bürger*innen der jeweiligen Staaten bzw. der EU ermöglichen ihren Regierungen, die notwendigen Maßnahmen konkret umzusetzen. Dazu braucht es auch die Akzeptanz negativer und teurer Effekte durch eine qualifizierte Mehrheit und das Ausrichten der Märkte auf den notwendigen Wandel. Eine Mehrheit entsteht aber nur, wenn aus betroffenen Bürger*innen Beteiligte werden. Menschen, denen man ungefragt Belastungen auferlegt, ohne sie in die Entscheidungen einzubeziehen, werden die Entwicklung blockieren. Beteiligt werden Menschen hingegen dann, wenn sie aktiv sein können – auch im Kleinen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir Bürger*innen ohne Zwang lokal kaufen, sparsam und sauber mobil sind, Öko-Strom nutzen, selbst garteln, Plastik vermeiden, wiederverwerten u.v.m. Damit setzen wir Akzente und wirken als Zivilgesellschaft „bottom up“ bis in die politische Spitze hinein!

2] Bewusstsein schaffen, auch bei Kindern

Keine*r mag Besserwisser*innen! Dieser Grundsatz ist sogar mir bewusst, auch wenn es mir nicht immer gelingt, den Zeigefinger unten zu halten. Deshalb bewirken die üblichen politischen, aber auch aktivistischen Belehrungen bei viel zu vielen Bürger*innen oft das Gegenteil. Nicht Interesse, sondern Ablehnung folgt, wenn man schulmeisterlich behandelt wird. Sich eigeninitiativ praktisches Wissen anzueignen und an Interessierte weiterzugeben, ist hingegen eine andere Sache. Erfahrungsgemäß hilfreich ist es dabei, selbst Hand anzulegen und aktiv zu sein. So ist es auch beim Umwelt- und Klimaschutz. Wer z.B. selbst Strom oder Lebensmittel erzeugt, wird dazu gefragt werden und Auskunft geben. Wenn jemand gute Erfahrungen mit Sharing-Projekten gemacht hat, wird das die Runde machen. Auf diesem Wege sickert über kleine lokale Projekte ein ökologisches Grundverständnis in die Breite. Das wiederum schafft für die politische Diskussion jene breite, wenn auch stille Mehrheit, die es braucht (siehe oben).

Insbesondere Kinder benötigen, um früh ein ökologisches Bewusstsein zu entwickeln, eine verständliche, angreifbare Lernumgebung. Der Wald, die Wiese, die Wohnung oder die soziale Gruppe sind die Labore des Alltags. Warum nicht schon dort ein frühes Interesse an einer funktionierenden Umwelt wecken? Öffnen wir doch unsere persönlichen Projekte den kommenden Generationen. Erfahrungen wie Gemüse anbauen, Bienenwiesen säen, Müll trennen oder Rad fahren schaden Kindern nicht. Das Schlimmste, was passieren kann, ist dass das Enkerl den SUV des Opas nicht mehr mag.

3] Den Lebensmittelpunkt gestalten

Die Welt zu retten ist eine Sache. Eine andere ist es, den eigenen Lebensraum lebenswert zu gestalten. Warten Sie bitte nicht darauf, dass ein globales Klimapaket vor Ihrer Haustüre für Ordnung sorgt. Klar, in naher Zukunft muss auch in großem Zusammenhang einiges passieren, um den Klimawandel erträglich zu halten. Es spricht jedoch nichts dagegen, schon jetzt im eigenen Garten, in der Wohnung oder mit privaten Projekten ökologisch wertvolle Lebensqualität zu schaffen. Das beruhigt nicht nur das Gewissen, man tut ganz real etwas Gutes für sich. Gesundes, Hochwertiges, Nachhaltiges zu schaffen bzw. zu konsumieren wirkt sich direkt auf den Körper und das Gemüt aus.

Sollte es zudem noch gelingen, das Interesse mit Gleichgesinnten oder mit der Nachbarschaft zu teilen, vervielfacht sich der Gewinn. So entstehen lokale Rückzugs- und Naturräume, gelingt die Selbstversorgung mit Lebensmitteln und Energie oder lassen sich gemeinschaftliche Mobilitätskonzepte verwirklichen. Das rettet nicht die ganze Welt, aber es sind die „quick wins“, also die frühen Erträge, die wir Menschen auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft einfahren können. Lassen wir uns diese nicht nehmen, indem wir uns zurücklehnen und auf die Lösungen der Politik warten. Für einen ökologisch intakten Lebensraum muss man auch mal die Verantwortung übernehmen dürfen. Deshalb ist es so wichtig, dass Initiativen auch auf Mikro-Ebene weiter vorangetrieben werden.

Privates Engagement wirkt drei Mal

Die 3 Gründe, warum ein persönlicher Klima-Beitrag wichtig bleibt, zeigen, wie breit auch privates Engagement gegen den Klimawandel wirkt.

Vertikal („bottom up“)

Die Masse privaten Engagements bildet das Fundament tragfähiger politischer Kompromisse. Nur wenn eine ausreichende Mehrheit der Bürger*innen die notwendigen Veränderungen gutheißt, hat Klimaschutz eine Chance. Diese Mehrheitbox rekrutiert sich nur zum kleinen Teil aus grünen Ideologien und Öko-Aktivismus. Sie muss daher über alle Parteigrenzen hinweg motiviert werden. Und das geschieht am besten über das einzige verbindende Positiv-Argument: das Tun auf privater Ebene.

Horizontal

Individuelles Engagement zieht üblicherweise Kreise. Anders als in der politischen Diskussion, in der Klimaschutz stark polarisiert, wecken private Initiativen eher Neugierde. Sie fördern das Interesse, erzeugen Gesprächsbedarf und regen zum Erfahrungsaustausch an. Jedes private Projekt ist Botschafter gelebten Klima- und Umweltschutzes. Es fördert das Interesse in der Bevölkerung und animiert zur Vernetzung bzw. zur Nachahmung.

Punktuell

Viele lokale Initiativen verändern oder gestalten individuelle Lebensräume. Es wird grüner, nachhaltiger, fairer, sauberer, lebenswerter, angenehmer, … in unserer direkten Wohn-Umgebung und in unserem Alltag. Das schafft unmittelbar Lebensqualität und stärkt den Glauben an einen Erfolg im Kampf gegen den Klimawandel. Das sollten wir uns nicht nehmen lassen, auf dem langen Weg zur Rettung der Welt.

 

Salzburg, 2020/10 – Gerd

box = Fakten-Kiste
Reicht privates Engagement tatsächlich nicht aus?

Ist nur der direkte Einfluss auf die Politik effektiv genug? https://www.derstandard.at/story/2000120111584/warum-ihr-bio-einkauf-nicht-die-welt-rettet

Das sind die gängigsten Klima-Mythen: https://jungk-bibliothek.org/2020/09/03/wir-sind-zu-klein-und-koennen-nichts-tun-politologe-reinhard-steurer-ueber-klimamythen-in-der-150-montagsrunde/#more-24037

Die Presse: https://www.diepresse.com/5865477/studie-fast-alle-unterstutzen-klimaschutz

 

Stille Mehrheit für den Klimaschutz

Die Klimakrise sorgt die Österreicher*innen mehr als Corona: https://orf.at/stories/3179856/

Mehrheit der Österreicher*innen stehen hinter einer Ökologisierung des Steuersystems: https://www.ots.at/presseaussendung/OTS_20200903_OTS0013/greenpeace-hohe-zustimmung-der-oesterreicherinnen-zur-oekologisierung-des-steuersystems-ist-klarer-arbeitsauftrag-an-die-bundesregierung

 

Neu auf der To-do-Liste

Finden Sie hier die aktuellen Vorstöße der internationalen Gemeinschaft, dem Klimawandel Herr zu werden. Dazu braucht es eine breite Mehrheit in der Bevölkerung, nicht nur in Österreich, sondern in allen Ländern dieser Erde.

China wird 2060 klimaneutral: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-09/klimaziele-china-emissionen-klimaschutz-kohlekraftwerke-usa

Bayern und Kalifornien verbieten schon 2035 Verbrennungsmotoren: https://www.focus.de/auto/news/kaliforniens-vorstoss-eine-gute-idee-keine-diesel-und-benziner-mehr-soeder-will-verbrennermotoren-ab-2035-verbieten_id_12477665.html

EU fordert 55 % weniger Emissionen bis 2020 im Vergleich zu 1990 (bisher 40 %): https://ec.europa.eu/germany/news/20200917-neues-klimaziel_de

Klimaziele brauchen höheren Spritpreis: https://futurezone.at/digital-life/klimaziele-brauchen-spritpreis-von-4-euro/401048854

Polen stellt Kohleausstieg bis 2049 in Aussicht: https://www.spiegel.de/wirtschaft/polen-will-kohlebergbau-bis-2049-beenden-a-45499163-e4ef-4694-b29b-1c1fe5e6830c

Erklärungen

Ninjas: sagenhafte Schattenkrieger aus dem alten Japan – früher mehr Spione, heute (als Comic Held*innen)  mehr unverwundbare Kämpfer*innen aus dem Untergrund.

bottom up = englisch für „vom Boden aufwärts“ | hier der Einfluss der Bevölkerung (Basis) auf die politische Führung (Spitze).

Sharing (Projekte) = english für „teilen“ | hier das gemeinsame Nutzen von z.B. Autos oder Geräten.

SUV = Sports Utility Vehicles = englisch für „sportliches Nutzfahrzeug“ = große, schwere, verbrauchsintensive Stadtgeländewagen (= ein Widerspruch in sich)

Mikro-Ebene = gemeint ist die direkte, kleinräumige Umgebung wie Gemeinden, Nachbarschaften etc.

Leseliste:

Welt retten fängt zu Hause an | 100 praktische Tipps für Nachhaltigkeit & Zero Waste im Alltag |  Eigenverlag | Andreas Nehring, 2020

Klimaschutz: Der Schmutz muss weg – Ein Buch für Kinder, Jugendliche und Klimahelden | Eigenverlag | Eva-Maria Nauendorf, 2020

Die kleinen Helfer der Erde | Ein Kinderbuch für Natur und Umwelt (Deutsch) | Eigenverlag, epubli | Martina Baumgartner, 2020

Link-Tipps:

Klimawandel Kompakt: https://unbehagen.at/003-klimawandel-kompakt/ »

Sinnvolle Unterstützung | Treeday, Plattform für nachhaltiges Leben: https://www.treeday.net/ »

Fehlendes Bewusstsein | Reiche verursachen mehr CO2-Ausstoß: https://science.orf.at/stories/3201718/ »

Aufklärung | Wen die Klimakrise nicht kaltlässt: https://orf.at/stories/3180381/ »

Studie zum Thema Klima und Problem-Bewusstsein in der Bevölkerung: https://www.global2000.at/sites/global/files/Mutter_Erde_Pressekonferenz_Pressemappe_20200910.pdf »

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