An die Arbeit

Content-ID: 039|01 | Autor: Gerd | Stand: 11.2.2021

The bright side of life

Drehbücher für den inneren Film

Zurzeit liegen landauf, landab unfassbar viele Emotionen in der Luft, negative Emotionen. Doch es sind nicht mehr nur die Krisen selbst, die Unbehagen bereiten. Es ist der Umgang der Öffentlichkeit damit, der den Menschen den Nerv zieht. Ganz ehrlich: So ernst Corona oder der Klimawandel genommen werden müssen, die meisten unter uns wissen bereits, was zu tun ist. Damit meine ich uns alle und auf persönlicher Ebene. Bei den Verantwortlichen bin ich mir da nicht so sicher. Die politischen Eliten im Staate wirken mit jeder neuen Herausforderung eher nervöser, gereizter und fallweise auch wunderlicher. Jetzt allgemein „Schönwetter-Politik” ohne Krisen-Kompetenz zu unterstellen, wäre zwar ungerecht. Angesichts einiger kabarettreifer Einlagen der Politik in der Corona-Krisendiskussion, drängt sich dieses Gefühl jedoch mehr und mehr auf. Dabei wollen wir uns eigentlich auch anderen Dingen widmen, oder?

Diese Woche hätten der AMS-Algorithmus oder das Strompreis-Privileg für E-Mobilität das Thema dieses Beitrags sein können. Sie sind es aber nicht. Denn auch darin stecken, zumindest in der Problemstellung, jede Menge Bedrohung, Ungerechtigkeit, politische Kurzsicht oder verpasste Gelegenheiten. Mein professionelles Interesse an der Krise hat jetzt eine Woche Blog-Auszeit. Zwar habe ich mir mit dem Namen dieses Blogs (unbehagen.at) selbst die Rutsche in die Abgründe unserer Welt gelegt. Es darf aber auch einmal genug sein. In Zeiten, in denen jegliches Positive aus den Massen-Medien verbannt zu sein scheint, droht selbst uns Autor*innen ein „Overload” an Unwohlsein und Frustration. Für viele Kolleg*innen wäre ein „dagegen anschreiben” die logische journalistische Antwort. Das heißt, entweder als Aufdecker*innen sich tiefer in die Materie zu verbeißen oder mittels Polemik mit den Verantwortlichen abzurechnen. Und seien wir uns ehrlich: Das tirolerisch-wienerisch Hin- und Her-Gerotze im Corona-Streit der letzten Tage würde sich geradezu anbieten, die virtuellen Stammtische im Lande mit Pointen zu versorgen. Lediglich bringt es nichts

Was steht auf Ihrer Liste für den Sommer?

Es wird langsam Zeit. Der „down-gelockte” Winter neigt sich dem Ende zu, die Tage werden länger und das Verlangen nach physischen Kontakten steigt exponentiell. Ob wir bald wieder ein Leben vor der Haustüre und mit anderen genießen können, ist unklar. Trotzdem haben viele Bekannte die dunkle Jahreszeit dazu genutzt, Pläne für die Zeit danach zu schmieden. Und zwar, anstatt obskuren Theorien nachzueifern, Privatpartys zu feiern oder Schilehrer*in zu werden. Komischerweise steht dabei weniger die Rückkehr in alte Gewohnheiten im Vordergrund. Vielmehr ist aus den Plänen ein Wunsch nach einem „Mehr als bisher” herauszulesen. Oft geht die Richtung dahin, ganz neue Erfahrungen zu machen und die soziale Wohlfühlzone auszudehnen. Dabei sind einige recht spannende Drehbücher für innere Filme entstanden.

Andrea und Helmut zum Beispiel haben sich angesichts erlebter Ausgangsbeschränkungen fest vorgenommen, künftig den Haushalt zu vergrößern. Damit ist nicht gemeint, anzubauen oder sich einen Kinderwunsch zu erfüllen. Es geht vielmehr darum, näher zu oder gar gemeinsam mit anderen Menschen zu leben. Langfristig wird es wohl ein Gemeinschaftswohnprojekt nahe Graz sein. Bis dahin aber sind sie und einige ihrer Nachbar*innen sich einig, die Gartenzäune abzubauen und Gemeinschaftsflächen und -räume zu schaffen.

Ins selbe Horn stoßen Belinda und Gernot aus Niederösterreich. Sie wollen sich über einen Stadtteilgarten oder eine Co-Working-Werkstatt mit anderen Menschen vernetzen. Dabei sollen das gemeinsame Projekt und kollektive Zielsetzungen den persönlichen Austausch und freundschaftliche Beziehungen fördern. Es geht aber auch um mehr Verbindlichkeit im Leben, der sich das Paar in ihrer selbstgewählten Distanz zur Nachbarschaft bislang entzogen hatte.

Johanna hat während ihrer ausgedehnten Winterspaziergänge zahllose Menschen angequatscht, um Wander- und Gesprächspartner*innen zu finden. Jetzt sind sie zu siebt, die sich partout nicht über Corona, die Enkelkinder oder das Wetter austauschen wollen. Sie verbindet eher ein gemeinsames Interesse an Kochen, Literatur und E-Fahrrädern. Für diesen Sommer sind schon regelmäßige Treffen und erste Ausflüge geplant. Und im Fall der Fälle werden sie füreinander da sein – egal ob per Video oder live.

Martin, Josef, Regina, Birgit und einige mehr haben beschlossen aus ihrer Partei auszutreten. Nicht dass sie nicht auch weiterhin ihre Stimme wie gewohnt abgeben werden. Über die Corona-Zeit aber hat sich die PR der Parteien zur Krisen-Dauerschleife gemausert. Im Gegensatz zur ohnehin düsteren Medien-Berichterstattung kommen aber hier noch der streng erhobene Zeigefinger und eine nicht enden wollende Flut an Kampfparolen hinzu. Als Gemeinschaft vernachlässigen viele politische Parteien das verbindende, freundschaftliche Element. Das aber ist der Klebstoff zwischen den Menschen. Parolen, Schlachtrufe und Feindbilder nützen sich irgendwann ab.

Emma, Georg und ihre beiden Kinder aus Wien werden Spanisch lernen. Und zwar von spanischen Native-Speaker*innen, die beruflich in Österreich verweilen und einen Freundeskreis suchen. Diese Idee hatten auch andere Wiener*innen. Mittlerweile verstehen sich 2 österreichische und 3 spanische Familien derart gut, dass ein gemeinsames Erkunden der jeweils anderen Kultur im Sommer konkret vorbereitet wird. Die gegenseitige Begleitung der für irgendwann geplanten Studienaufenthalte der Kinder inklusive.

Sarah hingegen hat ihre Lust auf Yoga und Ferdinand sein Interesse für Baumschnitt entdeckt. Beate strickt, Agnes und Severin tanzen, Hermann engagiert sich in einer Lerngemeinschaft für leseschwache Kinder und Gusti päppelt gemeinsam mit ihren Freundinnen kranke und bedürftige Menschen wieder auf. Walter hat seine Beziehung zu seinen betagten Eltern gekittet und plant regelmäßige Unternehmungen mit ihnen. Und Sigi, mit 11 Jahren die Jüngste unter den hier genannten Personen, hat begonnen Lern-Spiele zu erfinden, von denen eines bereits an einen Verlag verkauft werden konnte.

Ich werde übrigens noch im Frühjahr beginnen, Bücher zu schreiben. Ja, es werden mehrere sein und ja, ich trau mir das zu. Ich habe die während Corona oft ungeplant freie Zeit dazu genutzt, den nötigen Mut und Berge an Informationen anzuhäufen und damit ein spannendes Projekt gestartet. Sobald es etwas zu lesen gibt, werden Sie es natürlich auch über unbehagen.at erfahren.

Was aber, wenn Corona wiederkommt?

Leider: Das Böse schläft nicht! Die Chance, dass das Virus in einer anderen Mutation, jedoch mit gleicher Vehemenz wiederkehrt, besteht tatsächlich. Wie wir aus 2020 wissen, feiert Corona in der kalten Jahreszeit fröhliche Urständ. Dabei ist es egal, wie heiß und trocken der Sommer davor gewesen sein mag. Solange es nicht gelingt, das Virus und seine Verbreitung entscheidend zu entschärfen, habe wir alle Jahre wieder ein Problem. Die Frage ist nur, wie lange wir noch gegen eine Pandemie kämpfen müssen bzw. ab wann wir es mit einer lokal auftretenden und gut behandelbaren Krankheit zu tun haben. Ich persönlich würde nicht darauf wetten, dass Ende 2021 alles wieder gut sein wird. Zudem stehen die Zeichen dafür, dass das Krisenmanagement ab kommendem Herbst besser auf gestellt sein wird als aktuell, eher schlecht.

Aber Sie werden persönlich gut gerüstet sein. Ich glaube fest daran. So wie viele Menschen, werden Sie diesen Sommer genossen und auch dazu genutzt haben, sich spannende und bunte Perspektiven für den nächsten Lockdown zu schaffen. Dass Ihnen Ihr Drehbuch zur Bewältigung kommender Herausforderungen gelingen möge, dafür halte ich Ihnen ganz fest die Daumen. Seien Sie kreativ, werden Sie aktiv und bleiben Sie gesund.

Ihr Gerd Sendlhofer, 02/2021

Hinweise

Für alle Personen in diesem Beitrag wurden aus Datenschutz-Gründen die Namen geändert. Real sind jedoch die vielen Ideen, wie sich ein Leben außerhalb von Corona noch gestalten lässt. Dabei imponiert die vielfach festgestellte Energie, tatsächlich Neues zu erschließen und nicht in den Vor-Corona-Trott zurück zu fallen. Das nährt wiederum die Hoffnung, dass tatsächlich positive Entwicklungen aus der Pandemie-Not heraus zu nachhaltigen Verhaltenstrends in der Bevölkerung mutieren.

Tipp an die Bundesregierung: Wenn Sie schon ein ganzes Land dicht machen, dann sorgen Sie bitte für die „Bespaßung“ von uns Betroffenen. Dauer-Pressekonferenzen, stete Unheil-Prognosen und ein fades Fernsehprogramm, helfen uns Bürger*innen am allerwenigsten durch die Isolation! Anmerkung: Dazu sind schon vor 9 Monaten kreative Inputs in Richtung Regierung ergangen.

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