Sie befinden sich auf der Themen-Seite:   Umwelt & Nachhaltigkeit   |   Quick-Link:   Redaktion »

Umwelt

Umwelt & Nachhaltigkeit

Die ganze Welt steht vor dem Burnout

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen Scheiß-Job. Sie arbeiten rund um die Uhr, geben alles, aber es reicht nicht. Die Arbeitsbedingungen sind unter jeder Kritik. Die Vorgesetzten wollen immer mehr Leistung und zahlen weniger.  Kein Wunder, dass Sie sich zunehmend ausgepowert fühlen. Für Sie ist dieser Zustand untragbar – und das zu Recht! Jetzt aber stellen Sie sich vor, unserer Erde geht es genau so – und Sie sind der Chef oder die Chefin …

Die Lebensbedingungen auf der Erde werden tatsächlich schlechter. Alles wird weniger, extremer oder giftiger. Das ist kein „Fake“, das ist Stand der Wissenschaft. Blenden Sie doch für kurze Zeit die vielen Zwischenrufe zu diesem Thema aus. Die einen, die Ihnen weismachen wollen es wäre nicht so schlimm. Und die anderen, die Sie persönlich für das Dilemma verantwortlich machen. Gönnen Sie sich einen Moment der Erkenntnis.

Beginnen Sie damit, die Situation im Hier und Heute zu akzeptieren. Stellen Sie sich der Komplexität, die diesem Thema innewohnt. Sehen Sie die vielen Schauplätze, an denen wir unserem Planeten an die Substanz gehen? Egal ob das Klima, die Verschmutzung, die Ressourcen-Frage oder anderes: All das greift ineinander. All das gehört zu einer Kette an Ursachen und Wirkungen, die die Veränderung unseres Lebensraums direkt beeinflussen. Das alles sind aber auch die Stellschrauben, an denen wir drehen können, um die Wende zu schaffen. Klarer geht’s nicht, oder?

Nachfolgend finden Sie einige meiner Erfahrungen zum Thema Umwelt und Nachhaltigkeit. Ich beziehe mich dabei vorwiegend auf globale Zusammenhänge, manchmal aber auch direkt auf Österreich. Dazu gibt es in der Fachwelt selbstverständlich eine Reihe von seriösen Studien und Beiträgen. Diese haben mir unterschiedliche Blickwinkel auf das Thema eröffnet. Im Rahmen meines Blogs werden ich näher darauf eingehen.

Woran wir uns gewöhnen sollten

Das sind meine Top 5 Thesen zur laufenden Umwelt- und Nachhaltigkeits-Diskussion. Sie beschreiben die Situation natürlich nur in Ausschnitten. Es mag weitaus mehr und für Sie auch wichtigere Themenfelder geben, die hier fehlen. Dafür bitte ich um Nachsicht.

These 1: Diese Welt wird ungemütlich

Es gibt Menschen, denen ist es egal. Andere wiederum machen sich Sorgen, wie es mit unseren Lebensräumen weitergeht. Fakt ist, dass wir Menschen auf die Bedingungen, die wir selbst schaffen, nicht ausreichend vorbereitet sind. Ist Ihnen bewusst, wieviel Müll Sie heute schon essen, trinken und atmen? Haben Sie schon einen Plan, wie Sie persönlich mit extremen Klimabedingungen, knappen Ressourcen und einer kollabierenden Natur klarkommen werden? Und was werden sie tun, wenn mangels Überlebensraum die wirklich große Völkerwanderung einsetzt?

These 2: Die Klimakrise kennt keine Grenzen

Wenn z.B. in der (fernen) Arktis große Waldbrände für Schlagzeilen sorgen, wirkt sich das auch auf unsere Lebenssituation aus. Das freiwerdende CO2 und Methan beeinflussen das Klima nachweislich negativ – weltweit, nicht nur in der Arktis. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass Ihre Oma diesen Sommer besonders leidet, Ihr Enkerl Asthma bekommt oder Sie wegen Ernteausfällen heuer weniger Erdbeeren essen können. Diese Effekte verursachen auch Flugreisen, der Individualverkehr, Kohlekraftwerke, die Abholzung der Regenwälder, … – egal wo auf dieser Welt.

These 3: Sie und ich, wir zahlen immer

Die teuerste Variante der Umweltpolitik ist so weiter zu machen wie bisher. Die Kosten für umweltbedingte Krisen, Schäden, Preis-Effekte, Versorgungsengpässe, Kriege und Migration steigen mit jeder Minute. Aber auch den Ausstieg aus diesem Teufelskreis gibt’s nicht umsonst. Zum einen kostet die Entwicklung alternativer Techniken und Angebote Zeit und Geld. Zum anderen ist auch unser Lebensstil zu überdenken. Nicht zwingend über den totalen Verzicht, aber wir werden künftig an viele Produkte und Leistungen auf anderem Weg herankommen müssen, als wir es heute gewohnt sind.

These 4: Es gibt keinen Rückwärtsgang

Es gibt Menschen, die glauben tatsächlich wir könnten mit dem Klima verhandeln. Oder dass mit etwas gutem Willen in Umweltfragen das Rad der Zeit zurückzudrehen wäre. Das ist weit gefehlt! Bis es gelingen kann, die eingeleitete Abwärtsspirale zu stoppen, werden unsere Lebens-Bedingungen noch dramatischer werden. Wenn in 20-30 Jahren jene Maßnahmen, die wir heute setzen, Wirkung zeigen, ist die Welt in noch mieserem Zustand als jetzt. Es sind daher nicht die Bedingungen von heute, die wir künftigen Generationen hinterlassen werden, sondern ein Desaster in weit größerem Ausmaß!

These 5: Ein Hoch auf die Nachhaltigkeit

Wer nachhaltig wirtschaftet, kommt mit dem aus, was zur Verfügung steht. Und zwar so lange, bis alle daran gekoppelten Bedürfnisse befriedigt sind. Damit ist ein echter Gegentrend zur Ressourcen-Verschwendung eingeleitet. Nachhaltig agierende Unternehmen entwickeln innovative Systeme und saubere Alternativen für Produkte und Dienstleistungen. Sie reduzieren, recyceln und verwenden Rohstoffe wieder, modifizieren Verfahren und werden immer unabhängiger von knappen Ressourcen. Anfangs wurden sie belächelt, heute sind auf der Überholspur!

Was mir zu denken gibt

Die großen 3 Themen der Umwelt-Diskussion (Klima, Verschmutzung und Ressourcen) sind endlich Teil der täglichen Berichterstattung. Doch trotz aller Ankündigungen habe ich das Gefühl, es gibt immer noch zu wenig glaubwürdige Unterstützung seitens der Politik und Wirtschaft. Aber auch wir selbst drücken uns davor, uns persönlich diesen Themen zu widmen.

Unbehagen 1: Sie und ich werden verarscht

Diese Aussage gilt natürlich nur dann, wenn Sie jenen Entscheider*innen in der Politik und Wirtschaft glauben, die behaupten, sie hätten die Situation unserer Umwelt im Griff. Diese Menschen haben oft ein persönliches Interesse daran, eigene Versäumnisse zu beschönigen. Man nennt das „green-washing“. Dabei wird ein schädliches Produkt oder Verhalten so „grün“ dargestellt, dass es als umweltfreundlich durchgeht. Oft funktioniert das sogar!

Unbehagen 2: Die Menschheit ist träge

Mitte jeden Jahres begehen wir den „Welt-Erschöpfungstag“. Das ist jener Tag, an dem wir Menschen alle Ressourcen verbraucht haben, die uns pro Jahr zur Verfügung stehen. Alles was wir danach verbrauchen, stehlen wir künftigen Generationen. Wir sehen dieses Problem und wir akzeptieren es sogar. Wir wissen, dass unser Handeln weder fair noch SMART ist. Trotzdem tun wir es – warum? Kann es sein, dass wir nur zu bequem sind den ersten Schritt zu tun?

Unbehagen 3: Wir zocken mit der Umwelt

Manchmal habe ich den Eindruck, wir Menschen glauben, die Umwelt blufft. Wir tun deshalb so als wären der Klimawandel, die Vermüllung und die Ressourcenverschwendung ein Fake. Aber glauben wir wirklich, wenn der große Showdown kommt, haben wir das bessere Blatt in der Hand? Aktuell spielt die Menschheit „all in“. Wir haben alles gesetzt, was wir haben – wohl wissend, dass wir das entscheidende Ass (noch) nicht im Ärmel haben.

Unbehagen 4: Die #not-me Bewegung

Max Mustermann darf das! Heutzutage nimmt fast jeder Mensch für sich in Anspruch, anders handeln zu dürfen als alle anderen. Sollen doch andere für eine bessere Umwelt reduzieren, verzichten, zahlen, sich ändern und engagieren. Selbst hat man Gründe genug, nicht mitmachen zu müssen. Meist tut man eh schon genug. Oder man leistet an anderer Stelle. Oder „man ist ja nicht blöd“ – weil es ein Zeichen von Intelligenz sein soll, andere für sich die Drecksarbeit machen zu lassen.

Die „weniger ist mehr“ Herausforderung

Aktiver Umweltschutz beginnt tatsächlich mit der Umsetzung des uralten Mottos „weniger ist mehr“. Wobei „weniger“ nicht unbedingt mit totalem Verzicht auf etwas zu tun haben muss. Es geht in erster Linie darum, dass für die Erbringung einer Leistung weniger Ressourcen eingesetzt werden sollen.

Da kommt ein aktueller Trend im Marketing gerade recht. Es stehen demnach nicht mehr Produkte im Vordergrund, sondern die Lösungen für Bedarfe oder Probleme. Diese Sichtweise fördert in besonderem Maße Innovation – also die Entwicklung neuer Ideen zur Problemlösung. So ersetzte das Handy bis heute Produkte, die sich vor 30 Jahren noch niemand wegdenken konnte: Festnetz-Telefon, Radio, TV, Kamera, PC, Uhr, Taschenrechner, Spielekonsole u.v.m. Künftig werden auch die Mobilität, die Kommunikation, die Energiegewinnung, aber auch die Produktion von Konsumgütern etc. deutlich umweltverträglicher ablaufen (können) als bisher.

Aber nur darauf zu hoffen, dass mit zunehmender Digitalisierung die Umweltbelastung automatisch abnimmt, ist die falsche Strategie. Nur SMARTe Effekte zu erzielen ist nämlich nicht alles. Im Gegenteil: Die Digitalisierung wird künftig den Energiebedarf der Menschheit vervielfachen. Zudem verschlingen neue Technologien auch Rohstoffe und brauchen ressourcenintensive Produktionsverfahren (z.B. Batterien). Das kann durchaus bedeuten, dass trotz Digitalisierung die Zerstörung der Umwelt munter weitergeht.

Was tun gegen unsere Öko-Trägheit? 

Es hängt die Qualität unserer Lebenswelten tatsächlich davon ab, wie stark wir Menschen unseren „ökologischen Fußabdruck“ auf dieser Erde aktiv minimieren können. Im Klartext bedeutet das unsere Lebensweise zu ändern. Die gute Nachricht: Wir Menschen, Unternehmen und Nationen bzw. internationale Gemeinschaften können dabei auf erprobte Strategien zurückgreifen.

  • Reduce (reduzieren): Damit ist das Reduzieren von hohem Ressourcen- und Energieeinsatz in der Produktion von Gütern und der Erbringung von Leistungen gemeint. Privat lässt sich auch der Konsum in Bezug auf Menge und Häufigkeit optimieren.
  • Re-use (wiederverwenden): Dabei werden Rohstoffe und Produktteile nicht weggeworfen. Sie finden z.B. als Baustoff, als 2nd Hand-Ware oder als Bauteil anderer Produkte neue Verwendung. Auch reparieren hilft den Ressourceneinsatz zu minimieren.
  • Recycle: (wiederaufbereiten): Das ist statt wegwerfen die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Produkten, die nicht mehr verwendet werden. Glas, Plastik und Baustoffe etc. werden schon recycelt. Weitere Stoffe werden folgen. Recycling wird damit zu einer Schlüsseltechnologie der Zukunft!
  • Smart consumer (schlaue Käufer*innen): Das beschreibt die Freiheit der Konsument*innen auf alternative Produkte oder Leistungen zur Befriedigung von Bedürfnissen zurückzugreifen. Das hilft auf anderem – ökologisch unbedenklichem Weg – zum Ziel zu gelangen, statt darauf zu verzichten.

Sie sehen, es gibt viele Möglichkeiten aus „weniger“ echte ökologische Mehrwerte zu generieren. Trotzdem bleibt der entscheidende Beitrag für den Erfolg an Ihnen, den Konsument*innen, hängen. Von sich aus werden Unternehmen und Politiker*innen die nötigen Akzente nicht setzen. Für beide entscheidet immer der Markt. Das heißt, durch Ihr Kauf- und Wahlverhalten geben sie den Takt vor. Am besten tun Sie das ab sofort!

 

Salzburg, 2020|05 – Gerd

BLOG-Beiträge zum Thema

Zwei Glasgows

Liest man die Resümees zur UN-Klimakonferenz in Glasgow, entsteht der Eindruck, es hätte zwei Events gegeben. Eines, um den Kampf gegen den Klimawandel zu verschleppen. Dort wird gejubelt. Und eines für jene, die gerne ins Tun kommen würden. Die fühlen sich betrogen und sind enttäuscht.

Lichtblicke

Wer sich wie ich tagtäglich mit dem Unbehagen auseinandersetzt, läuft Gefahr, dem Negativen, dem Bedrohlichen dieser Welt zu viel Raum zu geben. Gerade aber weil die Zukunft, die wir aktuell vor Augen haben, eine kritische ist, zahlt es sich aus, den Glauben an das Gute beizubehalten.

Durchhalteparolen

Nur den Anschluss nicht verlieren! | Wer kennt nicht die Panik, die aufkommt, wenn sich abzeichnet, dass die Kräfte während einer Anstrengung nachlassen. Dieses Gefühl gibt es nicht nur im Sport. Auch in der Klimapolitik zeichnet sich ab, dass Kraft und Ausdauer nicht reichen könnten!

Sommer-Bilanz

Vom Corona-Lockdown in die unbeschwerte Freiheit. So zumindest haben wir uns die heiße Jahreszeit ersehnt. Die Hoffnung darauf war durchaus berechtigt. Aber ist tatsächlich alles so verlaufen, wie wir uns das vorgestellt haben? Und was bleibt tatsächlich vom Sommer 2021 in Erinnerung?

No na ned

Anfang August hat der Weltklimarat seinen Bericht vorgelegt. Drinnen steht zwar nichts, was wir nicht schon gewusst hätten. Trotzdem mussten Expert*innen 14.000 Studien auswerten und für jene in einfache Sprache übersetzen, die mit der Bedrohung bis dato nichts anzufangen wussten.

Fit für minus 55

Vom Gfrett mit dem Vorreiten. Dem 2019 von der EU präsentierten „Green Deal“ folgen mit „Fit für -55 %“ nun endlich konkrete Vorschläge für den schrittweisen Stopp von Treibhausgas-Emissionen. Sozusagen als Blaupause, auch für andere Länder. Nur sitzen dabei wirklich alle mit im Boot?

Festtagsbananen

Die Banane als ältestes Superfood ist das einzige, das durch regionale Lebensmittel nicht ersetzt werden kann. Trotzdem ergibt es Sinn, aus dem Mega-Hype um Bananen auszusteigen. Nur wie gelingt ein Verzicht, insbesondere aus ökologischen Motiven, ohne rasch wieder rückfällig zu werden?

Testlauf zur Klimawende

Ab heute treten erste Bestimmungen in Kraft, die eine Mobilitätswende in Österreich einleiten sollen. Es sind zwar nur die ersten Meter auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft. Trotzdem entscheiden sie darüber, wie einschneidend die nachfolgenden Schritte zur Klimarettung sein werden.

Einhundertdreißigtausend

Wegwerfen, was das Zeug hält | Wieder einmal sind die Kritiker*innen maßlosen Online-Handels in Rage. Aktuell soll Amazon an einem Standort und in nur einer Woche 130.000 retournierte Produkte zerstört haben. Und das nur, weil es die wirtschaftlichste aller Handlungsoptionen sein soll.

Ein Jahr unbehagen.at

Zwei Blicke nach vorne, einer zurück. Es ist tatsächlich schon ein Jahr her, dass unbehagen.at live gegangen ist. Das war, wie viele meinen, eine gute Entscheidung. Für das Jahr zwei gilt es jetzt, das Format weiterzuentwickeln: Es wird rotziger, unbequemer und vor allem öffentlicher.

Sie befinden sich auf der Themen-Seite:   Umwelt & Nachhaltigkeit  |   Quick-Link:   Redaktion »