Wasserschlachten

Content-ID: 087|01 | Autor: Gerd | Stand: 24.3.2022

Wasserschlachten

Wasser ist zum Leben da

Am 22.3.2022 war wieder der Weltwassertag. An diesem Tag geht es jedes Jahr um die nackte Tatsache, dass ohne Wasser nichts läuft auf diesem Planeten. Aber auch darum, dass wir Menschen ziemlich gedankenlos umgehen mit dieser Ressource. Wasser ist Lebenselixier und Lebensraum zugleich. Eigentlich gibt es unfassbar viel Wasser auf dieser Welt. Und trotzdem kommt es an allen Ecken und Enden zu gefährlicher Knappheit oder tödlicher Bedrohung. Der Zugang zu Wasser ist in unserem mitteleuropäischen Leben derart selbstverständlich geworden, dass wir uns über aktuelle und mögliche Versorgungsengpässe noch zu wenige Gedanken machen. Es ist damit das beste Beispiel dafür, wie wir (nur) vermeintlich endlose Ressourcen unserem feudalen Lebensstil opfern. Und zwar auf Kosten der eigenen und anderer Zukunft.

Wie hierzulande schon den Kleinsten vermittelt wird, ist Wasser zum Waschen da. Und zum Zähne-pu-hu-tzen. Zum Trinken, Gießen, Schwimmen, Löschen, Spielen oder Spülen. Wir haben verinnerlicht, dass Wasser einfach da ist. So wie Luft, Frieden, Demokratie, Geld oder das Internet. Zumindest in Mitteleuropa schienen diese Grundbedürfnis-Mittel bis vor Kurzem gottgegeben und endlos verfügbar. Kein Wunder also, wenn es schräg anmutet, dass langsam Schluss sein soll mit vielem, was uns bisher so selbstverständlich vorgekommen ist. Freiheit und Frieden erhält gerade in der Ukraine gewaltige Kratzer. Unser Wohlstand gerät durch geopolitische Verwerfungen und das Schwächeln des globalen Wirtschaftens unter Druck. Das demokratische Grundverständnis führt sich selbst ad absurdum, indem es als rechtens anerkennen muss, was es bekämpft. So legitimiert unser aller Meinungsfreiheit populistische Umtriebe und Fake News. Minderheiten gehen zum Schaden der Allgemeinheit auf die Straße. Und demokratische Willensbildung wird zunehmend als mühsam und ungerecht empfunden. Wir sind von den Wohltaten der Zivilisation schlichtweg übersättigt.

Auf die Dosis kommt es an

Ähnlich verhält es sich mit Wasser – speziell mit dessen Verfügbarkeit. Bei uns schießt es noch aus dem Wasserhahn, wann immer wir ihn aufdrehen. Insgesamt verbraucht ein 2-Personenhaushalt pro Jahr rund 93.000 Liter Wasser. Das reicht uns fürs erste. Für Landwirt*innen hingegen mutiert Wasser mehr und mehr zum Problemgut. Sinkende Grundwasserspiegel, fehlende Niederschläge und längere Dürreperioden sorgen zunehmend für Mangel. Vereinzelte Starkregenereignisse können diesen nicht mehr vollständig ausgleichen. Im Gegenteil: Fruchtbare Erde wird weggespült, Muren gehen ab, Flüsse treten über die Ufer und wertvolle Kulturlandschaft wird regelmäßig verwüstet. Das wirkt sich, neben massiven Unwetterschäden, auch auf die Versorgung mit regionalen Lebensmitteln und deren Preise negativ aus. Wie in vielen anderen Bereichen kommt es auch beim Wasser auf die Dosis an. Zu viel ist ebenso schlecht wie zu wenig. Dazu kommt, dass Wasser in enormen Mengen für viele Bereiche unseres Lebens benötigt wird.

Wasser ist auch für die Gewinnung von Strom und Rohstoffen und die Herstellung aller Produkte da. Beispielsweise benötigt man für die Produktion von einem Kilo Kaffee ca. 21.000 Liter Wasser, einem Kilo Rindfleisch 15.000 Liter oder einer Jeans 8.000 Liter. Sie sehen, es geht um unfassbare Mengen an Wasser, die es braucht, um unsere Leben am Laufen zu halten. Nicht nur in Österreich, sondern weltweit. Jetzt zu behaupten, es würde auf dieser Erde zu wenig Wasser geben, um alle Bedarfe zu decken, wäre jedoch nicht richtig. Wasser wäre tatsächlich im Überfluss vorhanden. Lediglich nicht immer in der benötigten Menge und Qualität zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und damit beginnt die eigentliche Herausforderung der Gesellschaft. Zum einen geht es darum, mit dem eigenen Wasserverbrauch sorgsam umzugehen und in der lokalen Gemeinschaft die Ressourcen weise und fair zu managen. Zum anderen braucht es ein grenzüberschreitendes Grundverständnis, Menschen und Wirtschaftsräumen den Zugang zu sauberem Wasser jederzeit offen zu halten. Egal, ob Trink- oder Nutzwasser, ob in Natur- oder Lebensräumen.

Wir erleben heute jedoch, dass der Zugang zu Wasser als Wettbewerbsvorteil missbraucht oder als Waffe eingesetzt wird. Da gibt es Industrien, die die Allgemeinressourcen an Wasser zu sich umleiten und damit das umgebende Land als Lebensraum unbrauchbar machen. Oder Staaten wie Äthiopien oder die Türkei, die mit Megastaudämmen am Nil bzw. Tigris die Wasserversorgung der Nachbarländer flussabwärts entscheidend beeinflussen können. Wassermangel und damit die fehlende Lebensgrundlage in den südlichen Regionen werden zudem künftig für extreme Fluchtbewegungen sorgen. Aber nicht nur dort, auch bei uns werden die Erde trockener und die Überschwemmungen tödlicher als bisher. Schuld daran ist, wie könnte es anders sein, der Klimawandel. Aber nicht nur: Auch unser eigener laxer Umgang mit der Überlebensressource Wasser trägt dazu bei, dass wir einer Krise Vorschub leisten, die wir eigentlich im Griff haben sollten. Daher ist es gut, dass es so etwas gibt wie den internationalen Tag des Wassers. Er soll uns allen bewusst machen, dass wir für die lokale Versorgung mit Wasser über unsere Nutzungsgewohnheiten selbst mit verantwortlich sind. Und dass wir es auch mit in der Hand haben, über unseren Lebensstil die weltweite Wasserproblematik lösbar zu halten. Also: Alles Gute zum Weltwassertag 2022!

 

Salzburg, 3|2022 – Gerd

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