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Gesellschaft, Politik | Beitrag: 005 | Stand: 20.1.2026

An die Waffen

Irgendwie läuft die Heeresdiskussion an der Realität vorbei. Weltweit grassieren Kriege. Selbst das sichere Europa ist zunehmend militärischen Bedrohungen ausgesetzt. Und mit Wladimir Putin sitzt ein Aggressor der üblen Sorte direkt vor den Toren unserer bislang heilen Welt. Dass deshalb das Bedürfnis der Menschen nach mehr Sicherheit zunimmt, ist verständlich. Wer jetzt aber glaubt, Österreich würde durch Grundwehrdiener*innen und ein Miliz-, ergo Amateurheer tatsächlich verteidigungsfähiger, könnte sich dramatisch irren.

Wir haben aus dem Ukraine-Krieg u. a. eines gelernt: Krieg vereint alles Böse dieser Welt – und zwar auf grausamste Weise. Deshalb fordert er Opfer! Als in den ersten Jahren des Konflikts abertausend junge ukrainische und russische Soldaten ihr Leben verloren, war dies auch ihrer Naivität geschuldet. Denn Kriege überleben nur kampferprobte Einheiten. Und die gibt es in Österreich bzw. Europa in eher bescheidener Anzahl. Jetzt den Eindruck zu erwecken, mehr oder weniger ambitionierte Hilfskräfte wären in der Lage, die ersten Kampfmonate à la Ukraine auch nur zu überleben, pokert hoch.

Was aber sonst tun, um den wachsenden Bedrohungen militärisch Paroli bieten zu können? Wie wär’s mit: Das Berufsheer ausbauen, stärken und trainieren. Einem wehrhaften Bündnis beitreten und leistungsgerecht Aufgaben teilen. In eine führende Rolle bei der Entwicklung und beim Einsatz moderner Waffensysteme investieren. Dafür übrigens sind Zivilist*innen besser geeignet als für den Dienst an der Waffe. Die innere Sicherheit gegen Spionage, Infiltration und Subversion stärken. Autonomie in Bezug auf Versorgungsgüter, Energie und digitale Leistungen herstellen. Und wieder zu alter Stärke im Rahmen einer internationalen Friedensdiplomatie zurückkehren.

Ganz ehrlich: Mehr Investment in diese Bereiche spart massenhaft Menschenleben. Es bringt zudem mehr Sicherheit als kampfunerprobte, unerfahrene Rekrut*innen. Und es würde den Profi-Militärs helfen, ihren Job effektiver und sicherer auszuüben.

Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer

Infos und Meinungen zum Thema

Selbstverständlich sind neben einer Wehrdienstreform in Österreich auch andere Maßnahmen zur Stärkung der Verteidigungsfähigkeit des Landes im Laufen. Jedoch leider nur punktuell, sehr zögerlich und mit angezogener Sparbremse.

derstandard.at | 20.1.2026 | Bundesheer-Kommission empfiehlt acht plus zwei Monate Wehrdienst »

orf.at | 20.1.2026 | Tanner für verpflichtende Milizübungen »