Umwelt und Klima | Beitrag: 009 | Stand: 7.2.2026
Klima-scheinheilig
Na, das nenne ich widersprüchlich: Auf der einen Seite ist es mittlerweile selbst in höchsten deutschen Regierungskreisen salonfähig, den Klimawandel kleinzureden. Zudem werden national und auf EU-Ebene Schutzmaßnahmen aufgeweicht und Emissionsziele ausgesetzt. Auf der anderen Seite fordert die deutsche Versicherungswirtschaft – bzw. deren Sprachrohre in der Politik – die Einführung einer Pflichtversicherung gegen die Folgen des Klimawandels. So, als wären die Schäden des Klimawandels real, dessen Ursachen jedoch Hirngespinste.
Soweit, so gut: Damit sei festgestellt, dass das wahltaktische Leugnen des Klimawandels doch nur ein gigantischer Fake zu sein scheint. Und dass das Klima es durch die Hintertür geschafft hat, zumindest in der wirtschaftspolitischen Wahrnehmung präsent zu sein. Und da stoßen wir auch gleich auf die zweite Scheinheiligkeit zu diesem Thema: Der bedenkliche Fortschritt des Klimawandels ist definitiv eine 100-prozentige Tochter verfehlter Klimapolitik. Das (ungewollte) Kind entscheidungsscheuer Regierungen, das noch für viel teuren Ungemach sorgen wird. Für Schäden, deren Finanzierung jetzt auf die Betroffenen abgewälzt werden soll.
Als Grund dafür wird unter anderem genannt, dass der Staat – also jene Instanz, die den Klimawandel schuldhaft zulässt – nicht für Wiedergutmachung sorgen kann. Das wäre schlichtweg zu teuer. Daher soll die Allgemeinheit, egal ob sie klimabewusst lebt und agiert, privat für die finanziellen Folgeschäden des Klimawandels geradestehen. Echt jetzt? Weniger Unrechtsbewusstsein geht wirklich nicht! Und zwar erstens, weil – im Gegensatz zur Kfz-Haftpflicht – nicht die Bürger*innen für eigenes potenzielles Fehlverhalten geradestehen, sondern sie die Fehler der Politik ausbügeln müssten. Und zweitens, weil laut Gutachten des Internationalen Gerichtshofs die Regierungen für die Folgen verfehlter Klimapolitik geradezustehen haben.
Also: Wenn Versicherungspflicht, dann vom Staat finanziert. Die Kosten dafür soll er sich von den Verursacher*innen überhöhter Treibhausgasemissionen zurückholen – und nicht von unbedarften Bürger*innen. Und wenn es dabei „fossil“ dominierten Branchen und Industrien an die Substanz geht: Selber schuld, wenn ihr es über die (vielen) Jahre nicht geschafft habt, in der Klimarealität des Planeten anzukommen.
Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer
Link- und Lesetipps
taz.de | 4.2.2026 | Obligatorischer Schutz gegen Klimaschäden kommt bald »
spiegel.de | 1.6.2025 | Meinung: Wie wäre es, wenn die Verursacher zahlten? »
ots.at | 15.1.2026 | WWF-Bericht: Klimaschäden bald nicht mehr versicherbar »
Zum WWF-Bericht »