Gesellschaft | Beitrag: 019 | Stand: 30.3.2026
Zurück zu den Wurzeln
Eigentlich ist Unbehagen nur ein Gefühl: ein Warnsignal für den Geist bzw. den Körper – nicht mehr und nicht weniger. Es zeigt an, dass Unregelmäßigkeiten, mögliche Bedrohungen oder unerwünschte Veränderungen ins Haus stehen. Und es sollte dazu führen, sich frühzeitig damit auseinanderzusetzen und, wenn möglich, etwas dagegen zu unternehmen. Unbehagen ist ein gutes Zeichen und kein Anlass für Panik, Empörung, Aggression oder „präventive Gegenangriffe“, die in der Praxis weit weniger paradox wirken, als es der Begriff vermuten lässt.
Unbehagen lädt eher dazu ein, im Anlassfall ohne verzerrende Emotionen neue Blickwinkel zu suchen, Ursachen zu erforschen und hilfreiche Maßnahmen abzuleiten. Schuldzuweisungen, Drohungen und Effekthascherei sollten dabei keine Rolle spielen – sollten wohlgemerkt, denn in den vergangenen sieben Jahren redaktionellen Unbehagens sind selbst bei Unbehagen.at reichlich rotzige, vorwurfsschwangere Beiträge an die Öffentlichkeit gelangt, die auch anders hätten formuliert werden können. Ja, sogar müssen, um konstruktive statt destruktive Reaktionen zu provozieren. Dafür entschuldige ich mich an dieser Stelle und gelobe Besserung.
Im Sinne einer Problemlösung geäußertes Unbehagen spart vor allem Vorverurteilungen im Affekt. Im Gegenteil: Es vermittelt Erkenntnisse, erzeugt Verstehen (nicht zwingend Verständnis), stellt Fragen, eröffnet einen Erfahrungsaustausch und erweitert den Horizont. Allein die differenzierte, reflektierte und distanzierte Auseinandersetzung mit den Ursachen und Ausprägungen von Unbehagen hilft dabei, es zu mildern bzw. ganz aus der Welt zu schaffen. Wenn es gelingt, die Warnglocken im Kopf und im Bauch zum Verstummen zu bringen, ist viel erreicht.
Dafür steht ab sofort (wieder) der Blog Unbehagen.at. Wenn alles gut läuft, wird er noch 2026 durch einen Podcast für weniger Unbehagen und mehr Zuversicht auf dieser Welt unterstützt werden.
Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer