Gesellschaft | Beitrag: 020 | Stand: 8.4.2026
Ganz die Eltern
Auch wenn es die Autor*innen der neuen Jugendstudie1) mutmaßlich anders sehen, die (meisten) Ergebnisse dieser Studie sind eigentlich gute Nachrichten: Die Jugend von heute tickt genauso wie ihre Elterngeneration. Abgesehen von ein paar Prozentpunkten auf oder ab bei einigen Fragen teilen die Jungen 1:1 die Wahrnehmungen und Ansprüche von uns Alten. Das wären: gutes Einkommen, gute Chancen, sichere Jobs, ausreichend Freizeit, Freunde und Familie, soziale Absicherung, hoher Lebensstandard oder die Durchsetzung eigener Bedürfnisse – um nur einige Beispiele zu nennen.
Auch der immer wiederkehrende Wunsch, die zunehmend chaotischen Zustände, die aktuell die Gesellschaft beuteln, durch eine „starke Hand“ wieder in Ordnung bringen zu lassen, erinnert irgendwie an frühere Generationen. Klar: Die heutige Jugend ist unbestritten starken, teils furchteinflößenden Bedrohungen ausgesetzt. Herausforderungen, zu denen wir, die Erwachsenen, immer weniger Lösungen zu bieten haben. Damit verschwindet Schritt für Schritt jene Welt, in der ältere Semester noch alle Chancen vorfanden – die jedoch für die Jugend nur noch eine Erzählung aus der Vergangenheit ist. Geschichten aus einer Zeit, die sich längst und unwiederbringlich im Umbruch befindet.
Das allerdings vor dem Hintergrund, dass die Chancen, die angekündigte Transformation als Sieger*in zu überstehen, sehr groß sind. Vorausgesetzt, man erkennt die neuen Rahmenbedingungen des Lebens und Wirtschaftens auf unserer Erde an, definiert die eigene Rolle neu und ändert das überlieferte Anspruchsdenken. Das wiederum würde für die Jugend bedeuten, dass es, so zu ticken wie die eigenen Eltern, einer All-in-Wette auf ein lahmes Pferd gleichkäme. Dann wären die Ergebnisse der Jugendstudie tatsächlich schlechte Nachrichten. Mit der Hoffnung im Gepäck, dass es eine ausreichende Zahl junger Menschen gibt, die sich offensiv auf eine spannende Welt der Zukunft einlassen und sie mitgestalten.
Deshalb, liebe Revoluzzer*innen der jungen Generation: Traut euch, weniger wie eure Eltern zu sein, und macht was draus!
Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer
Infos und Links
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