KOMMENTAR | Content-ID: 180|01 | Autor: Gerd | Stand: 28.8.2025
(hc) human created | von Menschen erdacht!
2025 ist das Jahr des Perspektivenwechsels. Es gibt zu jedem Thema mehrere Sichtweisen, die es wert sind, vor den Vorhang geholt zu werden. Dieser Blog widmet sich daher ein Jahr lang der Herausforderung, sinnvolle und faktenbasierte Alternativen zum politischen Mainstream aufzuspüren, die helfen könnten, wachsendes Unbehagen wirksam einzuhegen.
Bürokratiedilemma
Weniger Behörden-, dafür mehr Gerichtsverfahren
Wer sich heute zum Abbau von Bürokratie zu Wort meldet, erzählt gerne von zeitlich ausufernden Verfahren. Aber auch von meist teuren Vorarbeiten und überbordenden begleitenden Dokumentationen ist dabei die Rede. Und davon, dass sich Innovation und Investitionen nur mehr schwer rechnen würden, wenn der Amtsschimmel losgelassen würde. Also, wenn ich mir diese – offensichtlich berechtigten – Kritiken an zunehmend überschießender Bürokratie vor Augen führe, springt auch bei mir der Feit’l im Hosensack auf. So geschehen bei meinen aktuellen Arbeiten zur zweiten Auflage meines Buches „ZWEITE MEINUNG | Die Welt von morgen als Basis einer visionsorientierten Zukunftsplanung“.
Spoiler-Alarm: Dass das Zurückdrängen von Bürokratie längerfristig ein Fall für Künstliche Intelligenz werden wird, ist dabei aufgelegt. Um jedoch dorthin zu kommen, ist menschliche Lösungskompetenz gefragt. Und zwar nicht nur, was die Tools einer ergebnisorientierten Verwaltung betrifft. Sondern auch, wie – rechtlich und organisatorisch – „Verwaltung“ grundsätzlich neu gedacht werden muss. Vor allem deshalb, um in individuellen Fällen zu denken, statt wie bisher in praxisfernen standardisierten Verfahren. Ja genau, es geht darum, jedes Anliegen lösungsorientiert zu managen – egal, welche Werkzeuge benötigt werden.
Dazu werfe ich als Übung vorab einige Schlagworte in den Ring, aus denen Sie bitte selbst ein funktionstüchtiges Modell fallzentrierter Verwaltung entwerfen: Projektorientierung, agiles Management, vernetzte Daten, Zuständigkeit, Selbstverantwortung, Instanzenzug, Rechtssicherheit, Synergien, optimierte Prozesse und auch schon heute: KI. Glauben Sie mir: Würde man die aktuelle Verwaltung in ihre Einzelteile zerlegen und diese, ergänzt mit neuen Tools/Erkenntnissen und einem angepassten Rechtsrahmen, neu zusammensetzen, sie würde flutschen. Sowohl was die internen Abläufe als auch die Bürger*innen-Erwartung betrifft. Klar, sie käme dem Staat nicht billiger, dafür aber würde sie helfen, Zeit, Ressourcen und Kosten an anderer Stelle zu sparen. Genau so, wie es in den jüngsten Konzepten der EU, der Regierung und anderer Verwaltungseinheiten angekündigt wird.
Wer jedoch ein Sachbuch schreibt, sollte nicht (nur) mit Allgemeinplätzen und naseweisen Vorschlägen um sich werfen. Sie oder er ist gut beraten, vertiefend zu recherchieren. Grund genug für mich, auch das Internet zu befragen. Mit einer überraschenden Wirkung auf meine bislang sehr eng gefasste Sichtweise auf das Thema. Bürokratie ist laut Google nämlich eine „Verwaltungsstruktur mit klaren Regeln, Hierarchien und schriftlich dokumentierten Prozessen, die in staatlichen und nicht-staatlichen Organisationen zu finden ist.“ Der Perspektivenwechsler dabei war für mich der Hinweis auf „klare Regeln“, der sich nicht nur auf die bürokratischen Abläufe von Verfahren beziehen lässt. Er umfasst, einige Sprünge weiter gedacht, auch das gesamte Konstrukt der Rechtsstaatlichkeit. Weniger jenes der Rechtsverbindlichkeit der Obrigkeit gegenüber den Antragsteller*innen. Vielmehr geht es um den Grundgedanken, dass niemandem im Lande Schaden zugefügt werden darf.
Sind Behördenverfahren nicht auch deshalb da, um den Staat und dessen Systeme, die Umwelt, Bürger*innen oder Unternehmen vor eben dem Staat, Bürger*innen oder Unternehmen zu schützen? Um im Zuge dessen Missbrauch zu verhindern, gemeinschaftlichen Schaden ab- oder einfach nur geltendes Recht anzuwenden? Es scheint schon einen Sinn zu haben, warum der Umwelt in modernen Zivilisationen zunehmend Rechte eingeräumt werden, die gewahrt sein wollen. Ebenso, dass technische Innovationen nicht zulasten der Bürger*innen zugelassen werden. Dass Verbraucher*innen geschützt, Menschenrechte gewahrt und Lieferketten fair gestaltet sein sollten. Daher werden Regierungen, die die bürokratischen Bremsen lockern, verstärkt in den Rechtsstaat investieren (müssen). Wer (metaphorisch gemeint) die Meute von der Leine lässt, muss sicher sein, alle jene, die Unfug treiben, später wieder einfangen und zur Rechenschaft ziehen zu können.
Wir meinen deshalb auch (strenge) Auflagen, (lückenlose) Kontrollen und (drakonische) Strafen, wenn wir davon reden, Bürokratie abzubauen und die Antragsteller*innen möglichst rechtssicher in Vorleistung gehen zu lassen. Das kostet zwar Ressourcen, vermeidet jedoch Missbrauch (egal ob geplant oder einfach nur passiert) und schützt den Staat, unseren Lebensraum, Unternehmen, einzelne Personen und die Gesellschaft.
Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer
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