Entgiften auf EU Art

KOMMENTAR | Content-ID: 136|01 | Autor: Gerd | Stand: 30.11.2023
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Entgiften auf EU-Art

Danke für die Umweltgeschenke

Achtung: Dieser zutiefst polemische Beitrag ist für umwelt- und gesundheitsbewusste Gutmenschen nicht geeignet.

Seien wir uns ehrlich: Das Thema Umweltgifte ist in den EU-Gremien mehr und mehr zur „Neverending Story“ mutiert. Angesichts der Tatsache, dass sich die freundlichen Herren der Agrar-Lobby nicht und nicht mit der fundamentalen Umweltszene einigen konnten, musste endlich Klartext gesprochen werden. Und zack: Mit erstaunlich wenig Action ist jetzt alles gut. Lässt man nämlich Wissenschaft, Statistik und Hausverstand außen vor, fliegt die Erkenntnis, dass diese Gifte eigentlich gar nicht giftig, ja nicht einmal bedenklich sind, wie von allein auf den Tisch. Denn eigentlich kommt in diesem Zusammenhang das Wort „Gift“ aus dem Englischen und bedeutet „Geschenk“. Sie sehen, vom deutschen „giftig“ für „tödlich“, „krebserregend“ oder zumindest „schädlich“ keine Spur.

Wen wundert’s daher, dass gerade eben erst die EU-Kommission die Zulassung von Glyphosat um 10 weitere Jahre verlängert und dann das EU-Parlament eine Verordnung für eine Pestizidreduktion abgelehnt haben. Und auch beim Ausstieg aus PFAS ist Zögern das Gebot der Stunde. Und das, obwohl das Ziehen der Reißleine für die Öko-Szene die logische Konsequenz auf die Bedrohungslage wäre. Okay: Für alle, die jetzt die Stirn runzeln, noch einmal einen Schritt zurück. PFAS sind industriell hergestellte Kunststoffe. Regelrechte Wunderwuzzis, die es braucht, um viele Produkte so genial zu machen, wie wir es aus Funk, Fernsehen und vom Tragen am eigenen Leib kennen. PFAS stecken beispielsweise in Zahnseide, Outdoor-Jacken, Lebensmittel-Verpackungen oder Feuerwehr-Löschschaum. Sie sind per se nicht unbedenklich und einige davon auch schon als schädlich, bis hin zu krebserregend, identifiziert – weitere werden folgen. Ach ja, und sie können nie wieder abgebaut oder aus der Umwelt entnommen werden. Deshalb nennt man sie Ewigkeitschemikalien.

Jetzt ist Anfang 2023 die EU einmal vorgeprescht und hat rund 200 dieser Stoffe auf die Verbotsliste gesetzt. Zudem soll 2025 die Verwendung von PFAS überhaupt untersagt werden. In neuen Produkten, denn, wie gesagt, in den alten sind sie schon fix eingebaut und werden für immer dort bleiben. Und dort, wo sie bei Verrotten des Produktes an die Umwelt abgegeben werden. Dagegen haben die freundlichen Herren der Industrie jetzt höflich, aber mit Nachdruck Protest eingelegt. Denn die wissen, dass heute ohne PFAS nichts mehr produziert werden kann. Zumindest nicht mehr in der Qualität, die sich die Konsument*innen der Jetztzeit redlich verdient haben. PFAS ist irgendwie so etwas wie der Kohlenstoff der Konsumwelt. Ohne Kohlenstoffketten und -ringe ist nämlich kein Leben möglich. Genauso wie ohne PFAS praktisch nichts mehr zum Kaufen gebaut werden kann. Was wiederum bedeutet, dass ohne sie kein erfüllendes Leben mehr möglich wäre.

Dieses Argument hat schon was. Und es gewinnt weiter an Bedeutung, wenn man die paar Handvoll Krebspatient*innen, fehlentwickelte Kinder im Mutterleib oder unfruchtbare Männer der unendlichen Masse an glücklichen Konsument*innen gegenüberstellt. Dazu kommt noch, dass man ja irgendwann und sowieso per Gen-Schere PFAS-Resistenzen bei Kindern züchten wird können und damit das Problem an sich keines mehr wäre. So wären auch die EU-Institutionen wieder fester im Sattel und könnten PFAS als Geschenk an die Umwelt, also als „Gift“ (englisch) weiter im Angebot behalten. So wie Glyphosat und andere Pestizide. Und folgt man dieser EU-Logik noch weiter, dann steht ja einem Comeback von Asbest, Quecksilber, FCKW oder gar der Verlängerung des fossilen Zeitalters nichts mehr im Wege. Letzteres ist übrigens nicht polemisch gemeint und wird hinter den Kulissen tatsächlich noch immer diskutiert.

PS: Zur kommenden EU-Parlamentswahl im Juni 2024 werden Menschen gehen und nicht Unternehmen. Deshalb werden dort Lobbyist*innen in der Unterzahl sein.

Salzburg, 11|2023 – Gerd

Hinweise

Mini-Serie „Verdrängte Krisen“: Umweltgifte | Aktuell lassen sich die EU-Institutionen wieder einmal von der Wirtschaftslobby am Nasenring durch die Manege führen. Anstatt Glyphosat und andere Ackergifte für immer aus der Umwelt und damit den Körpern der Menschen zu verbannen, bleiben sie uns weiter erhalten. Zudem scheint auch der Kampf gegen die „Ewigkeitschemikalie“ PFAS auf der langen Bank, anstatt auf der Tagesordnung gelandet zu sein. Hallo: Geht’s noch?

PFAS = per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen, bei denen Wasserstoff durch Fluor ersetzt wird, was sie extrem widerstandsfähig macht.

FCKW = Fluorkohlenwasserstoffe, verantwortlich für den Abbau der Ozonschicht der Erde.

Glyphosat = Unkrautvernichtungsmittel, steht in Verdacht, krebserregend zu sein.

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