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DIGITAL | Beitrag: 002 | Stand: 3.1.2026

Frisst KI Jobs?

Erste Erfahrungsberichte zum Einsatz von KI in der Arbeitswelt lesen sich noch recht unaufgeregt. So glauben immer mehr Unternehmen, dass sie durch KI gewinnen werden – zumindest, dass ihre Produktivität steigen wird. Und auch die Beschäftigten fühlen sich zunehmend unterstützt, jedoch noch safe.

Das verwundert nicht wirklich. Immerhin befinden wir uns gerade in der ersten Phase der KI-Revolution. In den Augen der Bevölkerung ist Künstliche Intelligenz dabei eine Ergänzung für menschliche Arbeit. Die Arbeitnehmer*innen werden entlastet, bleiben im Job und lieben deshalb KI. Die Phase zwei ist der Ersatz von menschlicher Arbeit. Dabei übernehmen Maschinen Tätigkeiten, die bisher Menschen erledigt hatten. Nur eben leistungsstärker, schneller und günstiger. Das wird definitiv Jobs kosten.

In der dritten Phase denkt KI ganze Prozesse neu. Wer beispielsweise glaubt, dass es in Zukunft zwischen dem Entstehen eines Geschäftsfalls und der Jahresbilanz noch eine Buchhaltung braucht, wettet riskant1). KI & Co. werden kaum mehr etwas so tun, wie wir Menschen es getan haben. Dafür sind wir zu kompliziert, zu unproduktiv und zu teuer. Wiederum werden sich die Unternehmen freuen. Die Menschen hingegen werden die Welt nicht wiedererkennen, für die sie erzogen und ausgebildet sind. Deshalb sollte die Politik bis spätestens dann das Konzept der Erwerbsarbeit neu aufgesetzt haben.

Die Frage dabei ist nicht, ob diese Phasen eintreten werden. Es geht eher darum, wann. Und ob die Menschheit in der Lage war, sich darauf vorzubereiten. Je nach Fortschritten bei der Entwicklung von AGIs2) rechnen Expert*innen mit nur wenigen Jahren, bis ganze Branchen und Berufsfelder ausgelöscht werden können. Und dass es wenig Sinn hat, zu versuchen, diese Entwicklung aufzuhalten. Es ist wie beim Klimawandel oder der E-Mobilität: Das KI-bedingte Ende der Erwerbsarbeit, wie wir sie kennen, wird kommen. Egal, ob wir wollen oder nicht.

Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer

1) ZWEITE MEINUNG | Die fragile Welt von heute als Basis einer visionsorientierten Zukunftsplanung | Gerd Sendlhofer im Eigenverlag | Salzburg, 1/2026

2) AGI = Artificial General Intelligence | KI mit ausgeprägten kognitiven Fähigkeiten