Gute Aussichten

Ankündigung | Content-ID: 124|01 | Autor: Gerd | Stand: 15.6.2023

Hypothesen

Die Königsdisziplin in der Prognosearbeit

Es kommt meist auf angenommene, also hypothetische Entwicklungen entscheidender Prognoseparameter an, zu welchem Ergebnis eine Vorschau letztendlich führt. Das kann von rabenschwarz eingeschätzten Umfeldbedingungen und Einflüssen bis hin zu euphorischen Beschreibungen wichtiger Rahmenbedingungen reichen. Letztendlich bestimmt das Set an Hypothesen, das einer Vorhersage zugrunde gelegt wird, in welche Richtung die Prognose-Ergebnisse tendieren.

Wir kennen das aktuell aus der Klimabewegung, die den zurecht dystopischen Vorhersagen einer heiß gelaufenen Welt von morgen gerade eine Flut an euphorischen Wohlfühlszenarien gegenübergestellt, in denen es gelungen sein wird, die Klimaziele zu erreichen. Damit soll wohl verdeutlicht werden, was uns entgehen wird, wenn wir weiter so achtlos mit unserer Erde umgehen wie bisher. Dass diese schönen Geschichten einer glücklichen Zukunft weit weniger plausibel sind als die Horror-Erzählungen vom Untergang der Welt, sei dahingestellt. Sie zeigen jedoch gut, welche Bandbreite an Interpretationen künftiger Entwicklungen möglich sind, wenn nur die spekulativ angenommenen Eckdaten stimmen.

Das führte unter anderem auch dazu, dass mit 4. April 2023 auf den Webseiten deutscher Ministerien gleich zwei, übrigens handwerklich einwandfreie, Studien zur mittelfristigen Entwicklung des Verkehrsaufkommens in Deutschland veröffentlich waren. Die eine1) prognostizierte eine Verkehrswende hin zu weniger und ökologischer Mobilität im Jahr 2050. Die andere2) zeigt einen weiteren Zuwachs des motorisierten Individual- und Güterverkehrs mit wenig Tendenz zu alternativen Mobilitätsformaten. Sie dürfen jetzt raten, in welchen Ministerien, eines ist ein Grün-geführtes, eines von der FDP, welche Studie veröffentlicht wurde. Mehr darüber finden Sie im Kapitel „Points of View“ in der BUSINESS NOVELLE Master Edition.

1) klimafreundlicher Verkehr in Deutschland | Weichenstellungen bis 2050 | diverse Autor*innen | Öko-Institut im Auftrag von WWF Deutschland u.a. | Berlin, 2014

2) Verkehrsprognose 2040 | Prognoseprämissen „Basisprognose 2040“ | diverse Autor*innen | INTRAPLAN Consult, München und TTS TRIMODE, Freiburg | 2022

Leseprobe „Hypothesen-Pool“

In diesem Kapitel stecken meine Annahmen zu künftigen Entwicklungen unser aller Lebensrealitäten. Nichts davon ist fix, kann es auch nicht sein, aber vieles davon ist höchst plausibel. Lesen Sie nachfolgend eine von gleich mehreren Hypothesen aus meinem Buch.

Generationenwechsel | Was kommt nach den Boomern?

Hypothese: Die Jungen gehen eigene Wege!

Wie bereits im Kapitel „Grundlinien“ angemerkt, verabschieden sich die „Boomer“, also die Generation aus den geburtenstarken 1960er-Jahren, demnächst aus dem Arbeitsleben. Mit teils erheblichen Folgen für den Arbeitsmarkt und das Sozialsystem. Zudem nimmt rund um die Zielgruppe der angehenden Senior*innen das Rennen um die lukrativsten Geschäftsfelder gerade an Fahrt auf. Dabei scheint es unerheblich zu sein, ob alte oder neue Ideen zum Zug kommen werden. Diese Altersgruppe ist konservativ und neugierig zugleich und damit offen für alles, was gut und gerade „in“ ist. Fakt ist, dass immer mehr Menschen mit viel Freizeit und Geld nach Gelegenheiten suchen werden, dieses auch unter die Leute zu bringen. Fakt ist aber auch, dass immer mehr Menschen mit immer weniger verfügbaren Ressourcen auf ein Leben in Armut und Einsamkeit zusteuern. Wer also nach Geschäftsmodellen und Betätigungsfeldern für die Zielgruppe der „Boomer“ sucht, wird rasch fündig werden.

Was noch nicht restlos durchgedrungen sein dürfte, ist, dass die Generationen Y und Z1) tatsächlich anders zu ticken scheinen als wir „Alten“. Das heißt, nicht wie lange üblich, nach einer Sturm- und Drangphase in den traditionellen Lebensstil ihrer Eltern zurückkehren werden. Nicht dass Werte wie Wohlstand, Sicherheit oder Familie an Bedeutung verlieren würden. Es werden nur andere Wege verfolgt und Prioritäten gesetzt werden, sich diesbezüglich zu verwirklichen. Ganz ehrlich: Wir „Alten“ haben uns doch über Jahrzehnte hinweg die gleichen Lebensläufe, Freundeskreise, Konsum-Gewohnheiten, Vorsorgestrategien, Familienplanungen und Karrierepfade geteilt. Hätten wir nicht unterschiedliche Adressen, Handynummern und Hobbys, man könnte glauben, wir wären alle dieselbe Person. Das scheint jetzt ein Ende zu finden. Gerade durch die anstehenden Umbrüche in vielen unserer Lebensrealitäten entstehen neue Chancen, situativ zu agieren und nicht nur vorgegebene Pfade abzuschreiten. Ich glaube fest daran, dass die Jungen offener in Lebensabschnitten denken, sich mehr Optionen erarbeiten und größere Freiheiten nehmen werden, als wir „Boomer“ es jemals zugelassen haben. Das wiederum verlangt neuartige Business-Ansätze, die sich parallel zu den gewohnten jedoch erst entwickeln müssen.

Dazu braucht es nicht nur angepasste gesetzliche Rahmenbedingungen2). Es müssten auch die Unternehmen grundlegend anders ticken, als die meisten es heute tun. Es reicht nicht, darauf zu warten, dass sich Traditionelles irgendwie digitalisiert, damit es jünger, moderner und zeitgeistiger anmutet: „An old school with a new look is still an old school“. Beginnen Sie lieber, sich langsam daran zu gewöhnen, dass bei jüngeren Menschen Imagekomponenten wie Eigenheime, Lebensjobs, Sparbücher oder Autos zunehmend an Bedeutung verlieren werden. Und zwar deshalb, weil sie Zeit und Ressourcen binden, die der spontanen Nutzung anderer Optionen3) gewidmet sind. Dieses Leben in Abschnitten, entlang von Chancen und Möglichkeiten, bietet sich regelrecht an für Geschäftsmodelle, die unterhalten, spontane Lösungen finden, nicht versuchen zu vereinnahmen und über verschiedene Wege realisiert werden können. Zumindest gewinne ich diesen Eindruck, wenn ich die (sozialen) Medien durchblättere und mich in meinem eigenen Umfeld umhöre. Und wie geht es Ihnen dabei?

1) Generation Y = zwischen 1980 und 1994 geboren | Generation Z = zwischen 1995 und 2010 geboren.

2) Mehr zu diesem Thema im „Hypothesen-Pool“ („Juristische Generalsanierung“ und „Modern verwalten“) und unter „Zu Ende gedacht“ („Das neue Zeitalter der Solo-Selbstständigen“)

3) Mehr zu diesem Thema im Kapitel „Zu Ende gedacht“ („Gen O | Generation for Opportunities“).

 

Salzburg, 6|2023 – Gerd

Hinweis

„ZWEITE MEINUNG | Die Welt von morgen als Basis einer visionsorientierten Businessplanung“ ist der erste Titel einer ganzen Buch-Reihe mit dem Namen „BUSINESS NOVELLE“. Es ist sowohl eine „Master Edition“ künftiger Ausgaben als auch ein Workbook für Planer*innen und ein Blickwinkel auf künftige wirtschaftliche Planungsgrundlagen aus der Ebene der betroffenen Bevölkerung.

Linktipp

Landingpage für das Projekt-Duo BUSINESS NOVELLE und SOKO Zukunft: https://www.business-novelle.eu/ »

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