Klima Showdown

KOMMENTAR | Content-ID: 135|01 | Autor: Gerd | Stand: 16.11.2023
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Klima Showdown

Entscheidungsschlacht ums Klima

Es mag angesichts der erbittert geführten Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten unsensibel wirken, hier in der Sub-Headline mit dem Begriff „Schlacht“ aufzuwarten. Dafür bitte ich um Nachsicht. Aber wie würden Sie es nennen, wenn heuer zu den jährlichen COPKlima-Spielen gleich 70.000 Delegierte aufmarschieren werden? Sie lesen richtig: 70.000. Eine ganze Fußballstadion-Füllung an Menschen, die alle ein einziges Ziel verfolgen. Nämlich das Führungspersonal der G20Nationen mit Argumenten zu versorgen, etwas zu tun oder eben nicht. Wobei es weniger um die Argumente geht, die klar für den Schutz des Klimas und gegen das Ende der Welt sprechen. Die liegen längst auf dem Tisch. Es geht tatsächlich nur um ein Abschlusspapier. Ein Textgebilde aus entweder Worthülsen, die es den 20 mächtigsten Leuten dieser Erde wieder einmal erlauben, sich aus ihrer Verantwortung zu stehlen. Oder aus verbindlichen Verträgen zur Rettung der Welt.

Aber braucht es dazu wirklich 70.000 Personen? Leute, die bereit sind, bis zum Äußersten zu fighten, um für die eigene Überzeugung zu siegen? Sich mehrere Tage und Nächte um die Ohren zu schlagen und frustriert der ewigen Leier der gegnerischen Seite zu lauschen. Und das alles, um letztendlich doch Fingernagelbreite um Fingernagelbreite von der eigenen Position abzurücken. Denn schlimmer als ein schlechtes Ergebnis scheint in den Augen der duellierenden Klima-Schützer*innen und der lobbyierenden „Ist alles nicht so arg“-Fraktion eben kein Ergebnis zu sein. Es braucht diesen einen Kompromiss so dringend, der dem Bösen zäh abgerungen werden musste. Eine Schuld, die den „anderen“ zugeschoben werden könnte. Und eine suggestive Fragestellung, die die Kritiker*innen zu Hause ruhigstellen kann. Eine Frage wie: „Hättet ihr lieber gar kein Geld im globalen Klima-Fonds als die mickrigen paar Millionen, die wir so, so hart erkämpft haben?

Als letztes Jahr gut 35.000 Personen bei der COP 27 in Ägypten um die Zukunft der Welt gerungen hatten, war genau so ein kritikwürdiges Konvolut an halbseidenen Kompromissen das Ergebnis. Ein Kuh-Handel, der in einer Reihe schön klingender, aber nur wenig konkreter Absichtserklärungen mündete. Zu wenig, um im Kampf gegen den Klimawandel entscheidend voranzukommen. Aber doch genug, um sich in der Heimat als Held oder Heldin zu präsentieren und damit die Fahrkarte zur COP 28 zu lösen. Was aber ist das Ziel, wenn heuer doppelt so viele Fachleute an den Verhandlungen teilnehmen? Erhält dann die Welt auch zweimal so viele Ausreden wie 2022? Oder reichen die Kapazitäten endlich dafür, die zweite Seite der mittlerweile elendslangen To-Do-Liste zu befüllen? Jene mit den Problemlösungen.

Wenn wir mit einbeziehen, dass die Wissenschaft längst alle Fakten auf den Tisch gelegt hat und dass schon im Vorfeld des Kongresses Themen, wie beispielsweise der Klima-Fonds, mit ausreichend Argumenten angereichert wurden: Was könnte die Teilnehmer*innen dann noch daran hindern, zählbare Ergebnisse und nicht nur vertröstende Worte nach Hause zu bringen? Ganz einfach: Die Tatsache, dass die Führungen der G20-Staaten wieder nicht überzeugt werden können. Und dass diese deshalb nach Hintertüren suchen werden, um die COP 28 zwar wahlkampf-fit, jedoch ohne teure Versprechen verlassen zu können.

Sollte also nach der Weltklimakonferenz 2023 wieder zu viel offenbleiben, wäre es an der Zeit, das Format der COP als Massen-Konferenz zu überdenken. Wenn ohne konkrete Ziele und vertraglich bindende Vereinbarungen zwischen den größten Staaten dieser Erde ohnehin nichts geht, sollte es dann nicht reichen, nur die wichtigsten Staats-Chefs und -Chefinnen initial in den Ring zu holen? Wäre aus dieser Sicht ein G20Gipfel mit 70 statt 70.000 als Entourage nicht das geeignetere Format? Klar, das würde kleineren Staaten die Chance nehmen, selbst auf ihre Interessen aufmerksam zu machen und im schlimmsten Fall, auch die Abschlusserklärung zu boykottieren. Es eröffnet ihnen und einigen regionalen Interessenverbünden aber auch die Möglichkeit, bilateral Vereinbarungen zu schließen, die als Muster für weltweite Einigungen gelten könnten. Denn einer Initiative beizutreten ist für viele Staaten leichter, als proaktiv Verpflichtungen einzugehen. Besonders dann, wenn es mit einem Entwicklungshilfe- oder Rohstoffdeal junktimiert werden kann. Das klingt jetzt rosig, muss es aber nicht sein. Denn die unweigerlich folgenden Versuche einiger G20-Nationen, sich vor ihrer globalen Verantwortung zu drücken, brauchen auch in diesem Format etwas, das heute schon fehlt: verbindliche Ziele und knallharte Sanktionen.

Es bleibt daher zu hoffen, dass 2023 den 70.000 endlich der Durchbruch gelingen möge. 

Salzburg, 11|2023 – Gerd

Hinweise

Mini-Serie „Verdrängte Krisen“: der Klimawandel | Von 30. November bis 12.Dezember findet in Dubai mit der COP 28 die diesjährige Weltklimakonferenz statt. Dazu werden tatsächlich 70.000 Delegierte erwartet. Nicht alle sehen das als Argument dafür, dass die Konferenz damit in ihrer Entscheidungsfähigkeit gestärkt wird. Aber schau ma mal!

Junktim = Verknüpfung mehrerer Vertragspunkte

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