Klimahysterie

Content-ID: 110|01 | Autor: Gerd | Stand: 01.12.2022

Klimahysterie

Wenn die Falschen durchdrehen

Es hätte das Zeug gehabt, zu unserem „I have a dream“-Moment zu werden, als Greta Thunberg beim Weltwirtschaftsforum 2019 ihre legendäre Rede zur Lage unseres Planeten hielt. Immerhin hat sie es, 56 Jahre nach Martin Luther Kings Traum von der Gleichheit der Menschen, wieder geschafft, die Gesellschaft weltweit zu aktivieren. „I want you to panic, I want you to feel the fear“, lautete unter anderem ihre Botschaft an die Führer*innen der Welt. Und sie erzeugte damit durchaus Wirkung. Zumindest bei der breiten Masse. Endlich erlebte der Klimaprotest jenen Zulauf, der eine resolute, gestaltungsbereite Zivilgesellschaft stark macht. Und nur diese kann den Druck auf die Mächtigen aufbauen, den es bräuchte, um die längst fälligen unangenehmen Entscheidungen zur Rettung der Welt zu erzwingen. Nur geschieht nichts dergleichen. Im Gegenteil: Die Aktivist*innen werden zunehmend hysterisch und die Politik verliert sich im Dreschen inhaltsleerer Phrasen. Das hatte Greta Thunberg so sicher nicht geplant.

Ich muss gestehen, ich bin ein glühender Anhänger des zivilgesellschaftlichen Weges zur Rettung der Welt. Ich glaube felsenfest daran, dass die Menschen selbst die Initiative ergreifen müssen, wollen sie auf dem Planeten etwas verändern. So wie vor vielen Jahren der Kampf für die Bürgerrechte oder heute gegen den Klimawandel. Es braucht eine globale Bewegung, einen Schulterschluss über Kulturen und Grenzen hinweg, um Wirkung zu entfalten. Die Waffen der Gesellschaft sind dabei Reichweite, Entschlossenheit, Ausdauer, Augenhöhe zur Politik und bis zu einem gewissen Maße auch ziviler Ungehorsam. Vor allem aber sollte die Bereitschaft, den Eliten dieser Welt die Gefolgschaft zu verweigern, wirken – sei es als Wähler*innen oder als Konsument*innen. All das haben sich „Fridays for Future“, die „Letzte Generation“ und andere Aktionsgruppen längst hart erarbeitet. Würde also alles nach Plan laufen, wären sie heute im Klimakampf die mächtigen Verhandlungspartner*innen für die hohe Politik und wir alle viele Schritte weiter. Es ist aber nicht so.

Im Zuge der multiplen Krisen der vergangenen Jahre hat sich die Politik in eine gefährliche Klima-Lethargie geflüchtet. Demgegenüber macht sich unter den Aktivist*innen selbst zunehmend Frustration breit. Kein Wunder. Gerade hat wieder eine Klimakonferenz ohne nennenswerten Durchbruch geendet. Der populistisch angekündigte Aktionismus regierender (Grün-)Politiker*innen wird sukzessive von der Realpolitik aufgefressen. Die fossile Industrie dreht eine Ehrenrunde nach der anderen. Das 1,5-Grad-Ziel ist schon jetzt Geschichte. Und den Preis des Klimawandels zahlen die Ärmsten, während die reichen Länder irgendwann ein Geschäftsmodell daraus machen werden. All diese Rückschläge bei der Rettung der Welt sollten jedoch nicht dazu führen, dass die aktionsbereite Jugend als Vorreiterin der Klimabewegung ausfällt. Aber das scheint gerade zu passieren. So zielen einige der medienwirksamen Aktionen der „Letzten Generation“, trotzdem sie gut gemeint sind, gehörig am gemeinsamen Ziel vorbei, doch noch das Klima zu retten.

Aus drei Gründen:

  • Für den Kampf gegen die Mächtigen der Welt braucht es viele, viele Verbündete und nicht eine Handvoll Geiseln. Wenn es nicht gelingen will, die breite Masse zu mobilisieren, sollte an diesem Problem gearbeitet werden. Eine selbstgerechte Flucht aus der Klima-Bewegung in die Märtyrer-Ecke schadet der Sache und schreckt potenzielle Sympathisant*innen ab.
  • Auch ziviler Ungehorsam hat Grenzen in einem Rechtsstaat. Straftaten sind nun einmal Straftaten, egal, von wem sie begangen werden. Es ist auch für mich verführerisch, Leute, die für meine und damit die vermeintlich gute Sache kämpfen, außerhalb des Rechtsrahmens zu sehen. Nur wer entscheidet, welche Anliegen gut und welche böse sind? Und wo bleibt der Grundsatz der Gleichheit der Menschen vor dem Gesetz?
  • Das Ziel, den Klimawandel zu stoppen, ist zunehmend aus dem Fokus gerutscht. Klar, jene, die längst überzeugt und aktiv sind, sollten es schaffen, einen Zusammenhang zwischen Klima und Klimt herzustellen. Die Abermillionen anderen, die es auch braucht, um Stimmung zu erzeugen, sehen eher den Vandalismus und die Selbstdarstellung Einzelner, für die die Klimathematik nur Vorwand ist.

Selbstverständlich akzeptiere ich die Panik und Angst vor dem Klimakollaps, der euch Aktivist*innen zu euren Aktionen treibt. Immerhin lebt auch ihr jene Gefühle, die Greta Thunberg den Mächtigen der Welt an den Hals wünscht, um sie endlich in die Gänge zu bekommen. Nur solltet ihr daran nicht selbst verzweifeln. Für mich seid ihr, als engagierte Vertreter*innen eurer Generation, die logischen Anführer*innen des weltweiten Kampfes gegen den Klimawandel. Nur wer wünscht sich Leute an der Spitze, die angesichts von Rückschlägen zunehmend in Hysterie und Aggression verfallen? Ich wünsche mir euch, nur souveräner, stärker und die Masse begeisternder, als es heute den Eindruck hat. 

Salzburg, 12|2022 – Gerd

Hinweise

I have a dream = englisch für „Ich habe einen Traum“ so lautete der Titel der Rede des amerikainschen Bürgerrechtskämpfers Martin Luther King, die er im Rahmen seines Marsches auf Washington 1963 vor 250.000 Menschen hielt. Sie fasste die Grundzüge einer sozial, rechtlich, politisch und ökonomisch gleichberechtigten Gesellschaft in den USA zusammen und gilt als Meilenstein der Bürgerrechtsbewegung.

Greta Thunberg = schwedische Klima-Aktivistin und Gründerin der „Fridays for Future“-Bewegung.

Aktionen der „Letzten Generation“ = Festkleben auf Durchzugsstraßen, Anschütten von Kunstwerken mit dem Ziel, möglichst große mediale Aufmerksamkeit für den Kampf gegen den Klimawandel zu erzielen.

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