Icon UBH Gesellschaft M

Gesellschaft, Medien, Politik | Beitrag: 016 | Stand: 15.3.2026

Mundtod oder linientreu

Wenn der Begriff „Lügenpresse“ seine wahre Bedeutung offenbart, ist Feuer am Dach. Zumindest in jenen Demokratien, in denen Faktentreue und Meinungs- bzw. Pressefreiheit als Bestandteil einer freien, offenen Gesellschaft anerkannt sind. Wohlgemerkt Fakten UND Meinungsfreiheit, nicht ODER. Aktuell aber wird zunehmend Zweifelhaftes und Diffuses über die offiziellsten Kanäle einiger bislang bekennender Demokratien verbreitet. Gemeint sind dabei die Pressestellen von Regierungen und anderen parlamentarischen Kräften.

So zeigt gerade wieder einmal die US-Regierung als zunehmend autokratisches Regime, wie sie sich die Zukunft linientreuer Öffentlichkeitsarbeit vorstellt. Und sie bedient sich dabei jener Praktiken, die sie den Diktaturen dieser Welt seit jeher als „böse“ unterstellt hat. Sie setzt kritische Medien unter Druck, erschwert die Arbeit unabhängiger Journalist*innen und etabliert in rasender Geschwindigkeit regelrechte Fake-News-Fabriken. Sie „influencet“ mit verfälschten Daten, verschweigt Informationen, schreibt in Echtzeit die Geschichte um und schafft damit künstliche „Realitäten“, die mit der Wirklichkeit nur wenig am Hut haben.

Es mag angesichts der jüngsten Entwicklungen nicht verwundern, dass die amerikanische Medienaufsicht FCC aktuell jenen Medien, die nicht die geschönten Narrative der US-Regierung im Iran-Krieg teilen, mit dem Entzug der Lizenz droht. Was dabei verstört, ist, mit welch dreister Offenheit diese Verachtung demokratischer Grundprinzipien durchgezogen wird. So, als wäre der Wandel zur Autokratie bereits vollzogen und kritische Medien Feind*innen. Aber auch der unverhohlene Neid einzelner westlicher Politiker*innen, die sich derartige Macht auch für sich wünschen, erzeugt Unbehagen. Ebenso wie die offene Gleichgültigkeit verstört, mit der hierzulande viele Bürger*innen und bereits auf Linie eingeschworene Medien darauf reagieren.

Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer