Politik & Gesellschaft | Beitrag: 015 | Stand: 9.3.2026
Politische Selbstbilder
Politische Parteien sind keine altruistische Serviceeinrichtungen. Sie sind in erster Linie Unternehmen. Wirtschaftsbetriebe, die in hohem Maße von ihren Einnahmequellen abhängig sind, egal ob aus Parteienförderungen oder aus anderen (legalen) Quellen. Im Zuge dessen ist die eigene parlamentarische Stärke der Schlüssel zu internem Wohlstand und Handlungsfähigkeit. Das ist zu akzeptieren, weil üblich und rechtlich gedeckt. Dass sie jedoch im Innenverhältnis im Stil gestandener Konzerne agieren, wird oft ausgeblendet.
Waren früher vermehrt Ideologien und Grundsatzprogramme die treibenden persönlichen Motive für die Arbeit in den Büros politischer Parteien, scheinen sie heute vielfach nur noch vorgeschoben zu sein. Stehsatzgeprägte Quasi-Leitbilder, die den eigenen Leuten als Konversationshilfen im politischen Austausch mit außen mitgegeben werden. Nach innen gelten jedoch andere Ansprüche. Da geht es um Jobs, Gehälter, Aufträge oder die eigene Stellung im Parteiapparat. Um Abteilungsdenken, Loyalität, Seilschaften und Teamwork im Wettstreit intern konkurrierender Partei-Mikrokosmen. Hier menschelt es genau so wie in den Büros und Werkshallen (fast) jedes Wirtschaftsbetriebs.
Auch das ist verständlich. Zumindest dann, wenn man akzeptiert, dass Menschen im Berufsleben das eigene Auskommen, der soziale Umgang und die direkte Umgebung wichtiger sind als verbal aufgeblähte Themen-Konstrukte, die dem Volk verkauft werden sollen, um für Einnahmen zu sorgen. Daher scheinen heute Statements politischer Führungskräfte immer öfter nach innen gerichtet zu sein, als für die Allgemeinheit gedacht. Ebenso wie sich die Medien reißerisch Partei-Interna widmen, statt ausschließlich der großen Sachpolitik auf parlamentarischer Ebene. Und sich Parteistrategien danach richten, auch künftig als arbeitgebende Unternehmen bestehen zu können – ganz im Sinne der Mitarbeiter*innen und Nutznießer*innen.
Zumindest ich habe nach zahlreichen TV-übertragenen Parteitagen und Wahlabenden diesen Eindruck gewonnen – und Sie?
Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer