Krisen

KOMMENTAR | Content-ID: 134|01 | Autor: Gerd | Stand: 2.11.2023
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Verdrängte Krisen

Im Schatten der Kriege

Auftakt zur Mini-Serie: „Verdrängte Krisen“. Die aktuellen Kriege dieser Erde, allen voran jene im Nahen Osten und in der Ukraine, sind äußerst präsente Herausforderungen. So allgegenwärtig, dass andere, mindestens ebenso starke Bedrohungslagen gerade aus der öffentlichen Wahrnehmung zu rutschen drohen. Auch deshalb, weil der reiche Westen und der aufstrebende Osten dieser Erde wieder einmal ihre Reviere abstecken und daher diese Auseinandersetzungen auch für geopolitische Eigeninteressen nutzen. Vordergründig als „Schutzmächte“, vermutlich aber doch nur, um Einfluss zu sichern und Märkte langfristig an sich zu binden. Ich habe immer mehr das Gefühl, der Wunsch nach Frieden geht seitens der Supermacht-Blöcke eher nur ans Christkind. Zu sehr sind externe Konflikte ein lukratives Geschäft und der innenpolitische Kit, der Gesellschaften und Bündnisse zusammenhält. Damit aber zeigt die Krisen-Gemengelage eine höchst explosive Mixtur: Auf der einen Seite eine destabilisierte Weltordnung und auf der anderen regionale Kriegsparteien, die das Vakuum zwischen den Hegemonialmächten und eine Schwäche der UNO für eigene Eskalationsfantasien nutzen.

Bevor ich mich als selbsternannter „Mr. Unbehagen“ jedoch von den dramatischen Eindrücken der Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine lösen und mich anderen Schauplätzen widmen kann, muss ich noch festhalten:

Es ist notwendig, als politisch denkender und handelnder Mensch, Stellung zu den aktuellen Kriegsgeschehnissen dieser Welt zu beziehen. Dazu aber muss ich zugeben, in die teils historisch gewachsenen Konflikte zwischen den jeweiligen Kriegsparteien nicht tief genug eingelesen zu sein. Ich werde mich daher hüten, von außen zu beispielsweise 70 Jahre Nah-Ost-Diplomatie oder den schon lange schwelenden russisch-ukrainischen Rivalitäten Wortspenden abzugeben. Wohl aber verurteile ich terroristische Anschläge jeglicher Art. Dabei ist es egal, ob sie von Ländern wie Russland oder von Einheiten der palästinensischen Hamas ausgeübt werden. Das Leid der zivilen Bevölkerung darf nie dazu missbraucht werden, diplomatische Bemühungen zu torpedieren oder kriegsentscheidende Vorteile zu erlangen. Ich fordere daher (auch wenn ich nur ein unbedeutender Blogger aus dem Luxusland Österreich bin) Russland und die Hamas als Aggressoren, aber auch die verteidigenden Kriegsparteien, die Schutzmächte und die internationale Gemeinschaft auf, sofort die Sicherheit der Zivilbevölkerung zu gewährleisten, zivile Geiseln freizulassen und humanitäre Mindeststandards in den Kriegsgebieten zu schaffen. Zudem sind umgehend politische Lösungsversuche zu starten. Darüber hinaus rufe ich die Menschen weltweit auf, solidarisch mit der zivilen Bevölkerung in den Kriegsgebieten zu sein und als Brandmauer gegen den wieder aufkeimenden Antisemitismus zusammenzustehen.

Aus den Augen, aus dem Sinn?

Es ist, angesichts der Dynamik und Dramatik, die sich in den Kriegsgebieten dieser Erde entwickelt haben, verständlich, dass dafür die besten Plätze in den Medien für Berichte und Analysen reserviert sind. Immerhin schwingen dabei auch sehr existenzielle Ängste mit, in denen Atomwaffen, eine Ausweitung der Konflikte oder weltweite Terroraktivitäten eine zentrale Rolle spielen. Trotzdem sind es, sofern das Atomwaffengespenst im Bunker bleibt, andere Krisen, die wohl noch radikalere Auswirkungen auf die Welt von morgen haben können als die Ukraine oder der Nahe Osten.

Ich widme daher folgenden Themen, zumindest aber aktuellen Auszügen daraus, „Unbehagen.at“ bis Ende des Jahres 2023.

  • Allen voran bleibt der Klimawandel das Krisen-Thema Nummer eins, zu dem einige wichtige Entwicklungen unter dem Radar der Öffentlichkeit durchzurutschen drohen. So steht Anfang Dezember eine Weltklimakonferenz unter höchst ungünstigen Vorzeichen ins Haus.
  • Dazu gesellt sich eine hitzige Debatte um den Einsatz von Umweltgiften wie Glyphosat oder kritischen „Ewigkeits-Chemikalien“ wie PFAS. Hier ist ein Glaubenskampf am Köcheln, wie sehr der Wohlstand der Gegenwart das Leben künftiger Generationen gefährden darf.
  • Die Mobilitätswende scheint zunehmend zur Alibi-Aktion zu verkommen, was zwar einigen Konzernen die Sorge um ihre Rentabilität nehmen, jedoch langfristig eine ganze Reihe von ökologischen und ökonomischen Dilemmata auslösen könnte.
  • Und zu guter Letzt steht wieder einmal die Wirtschaft im Rampenlicht, wo sich eine explosive Gemengelage aufstaut. Im Zentrum sind u.a. ausbleibendes Wachstum, grassierender Pessimismus, neue bzw. verschobene Lieferketten, Rohstoff-Engpässe, hohe Schulden, fehlende Fachkräfte, schwindende Kaufkraft und die Überalterung der Gesellschaft.

Es überrascht mich nicht, dass die breite Öffentlichkeit angesichts der multiplen Krisenlage innerlich schon das Handtuch geworfen hat und entweder durchdreht oder sich endlich banaleren Dingen widmen möchte. Im Gegensatz zu den fremdgesteuerten Bedrohungen von den Kriegsfronten dieser Welt, haben wir jedoch bei all den anderen Herausforderungen noch einige Asse selbst in der Hand. Das ist doch ermutigend, oder? Wir sollten nur nicht vergessen, sie auch zu spielen.

 

Salzburg, 11|2023 – Gerd

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