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Digitales | Beitrag: 013 | Stand: 26.2.2026

Zweckoptimismus

Es stimmt schon: Die vielen negativen Schlagzeilen der letzten Jahre schreien regelrecht nach positiven Erzählungen. Nach Optimismus und Strategien, alles besser werden zu lassen, nicht nur weniger schlimm. Sich dabei aber das Blaue vom Himmel zu wünschen, geht in der Sache manchmal etwas zu weit. Aktuell ploppen unzählige Narrative auf, wie die dunkle Macht der KI künftig eingehegt werden könnte. Wie Jobs gerettet, die Wirtschaft angekurbelt und Wohlstand umverteilt würden, ohne dass die düsteren Prognosen der Skeptiker*innen wahr werden.

Und klar: Es gibt tolle Ideen und spannende Konzepte, die heutige Gesellschaft mit all ihren traditionellen Systemen zu wappnen. Künstliche Intelligenz dienstbar zu machen, anstatt ihr die Welt zum Fraß vorzuwerfen. Doch diese haben so ziemlich alle einen entscheidenden Fehler: Sie beziehen den Menschen zu wenig in ihre Überlegungen mit ein. Und zwar in dreifacher Hinsicht. Erstens müsste die menschliche Gesetzgebung frühzeitig möglichen kritischen Auswüchsen KI-initiierter Transformationen einen Riegel vorschieben. Tut sie aber nicht. Zweitens müsste die Menschheit große Teile des technologischen Potenzials Künstlicher Intelligenz ungenutzt lassen. Auch das tut sie nicht. Drittens wäre ein größeres Interesse der breiten Masse an der Entstehung einer neuen, KI-dominierten Welt nötig, um Fehlentwicklungen vorzubeugen. Ist aber nicht.

Solange das Match „Gier und Egoismus vs. Desinteresse“ die Welt beherrscht, wird KI auch in großem Stil dafür verwendet werden, die Systeme zum Wohle weniger auf Kosten vieler umzukrempeln. Ungeachtet dessen, wie schön es wäre, wenn potenziell missbrauchsanfällige Innovationen wie KI zum Wohle aller eingesetzt würden. Daher wäre es beruhigender, wenn die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft zuerst die Gefahren bannen würden, die von Einzelnen ausgehen, die sich und ihren Weggefährt*innen mittels Künstlicher Intelligenz Geld und Macht zuschanzen wollen. Denn erst wenn das geschehen ist, haben Heilsversprechen von einer zukünftigen, fruchtbaren Koexistenz von Mensch und Maschine ihre Berechtigung.

Das Leben ist zu kurz, um nicht auf den Punkt zu kommen!
Gerd Sendlhofer

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